Liebe Besucher der Kulturwelle5,

leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir unser Kulturportal für das Starnberger Fünfseeland nach dreieinhalb spannenden Jahren einstellen.

Falls Sie einen Blick auf die Ereignisse der Jahre 2012 bis Anfang 2015 werfen möchten,
klicken Sie hier.

Wir wünschen allen Kulturveranstaltern und Kulturinteressierten viel Erfolg und alles Gute,
das Team der Kulturwelle5

Zeitdruck und Zeitgeist: Cornelia Froboess und Hellmut Matiasek über Theater

War früher alles besser? Welche Entwicklung hat das Theater durchgemacht? Wird es in 50 Jahren noch Bühnen geben? Die Schauspielerin Cornelia Froboess und der Regisseur und Intendant Hellmut Matiasek sprachen in Feldafing über immer mehr Zeitdruck, über den Verlust des literarischen Theaters und über den Zeitgeist, der die Bühnen prägt.

Der Freundeskreis der ambulanten Krankenpflege Tutzing hat die beiden Koryphäen für eine Benefizveranstaltung gewinnen können, die den Saal des Hotels Kaiserin Elisabeth gut füllte. Für Froboess, deren erste Karriere die Musik war („Zwei kleine Italiener“), war es 1972 ein großer Schritt ans Theater: „Es war eine Lernprozess, sich mit Literatur auseinanderzusetzen. Tag und Nacht habe ich mit Kollegen gearbeitet, Texte und Biographien gelesen. Und überlegt: Was will der Autor erzählen und was können wir erzählen, welche Erfahrungen bringen wir ein.“ Und genau das hat sich heute geändert: „Es wird sehr schnell geprobt, es werden schnelle Arrangements gemacht.“ Im Klartext heißt das: „Man muss für sich eine Form finden, damit man nicht nur Bühnenbilder bedient und sich darin verliert, einen Text aufzusagen. Man muss die Figur schützen, die man spielt, damit sie nicht oberflächlich wird.“ Was früher im Team bei den Proben geschah, wird nun von den Schauspielern allein, oft nachts, geleistet. Dazu kommen „wahnwitzig kurze Probenzeiten“ wie jüngst für „Die Anarchistin“ im Residenztheater. Froboess spielt darin eine ehemalige Terroristin, die im Gefängnis auf ihre Begnadigung hofft. Ihr Kommentar zur gewichtigen Rolle: „Ich habe die 68er Jahre bewusst miterlebt und ich habe genug gesehen, um mir das vorstellen zu können.“

Während Froboess also die zunehmend hektischeren Bedingungen für Schauspieler fokussierte, befasste sich ihr Ehemann Matiasek mit der Rolle der Bühne an sich. Er hat sich schon sehr früh mit „Bilderflut und Sprachverlust“ beschäftigt und beklagte den Verlust des literarischen Theaters zugunsten eines Event-Theaters. Einerseits unterliegt alles einem Wandel, doch habe man an „mittelmäßigen Theatern immer versucht, sich dem Zeitgeist anzupassen“. Er berichtete von dem Dilemma der Regisseure, die nur mit Skandalen und provokanten Inszenierungen für Aufsehen sorgen können, und überlegte, ob man nicht versäumt habe, überzeugende Gegenbeispiele zum Zeitgeist anzubieten. „Bisher waren die Proteste sehr leise“, trotzdem hofft Matiasek „auf das Publikum“. Denn grundsätzlich ist die Kunst frei, es gibt keine Verbote. „Gegebenenfalls kann man aber mangels Interesse eingreifen.“

Wie das Theater der Zukunft aussehen wird? Ist es reine „Alten-Bespaßung“, wie in einem FAZ-Artikel jüngst geschrieben? Matiasek sieht das anders: Er sieht die Zukunft bei kleinen Gruppen und in Nischen. Dafür engagiert sich letztlich sogar jeder: Denn die Subventionen für Bühnen sollen einerseits die Eintrittspreise zivil halten, andererseits aber auch Produktionen und Genres unterstützen, die erst noch ihr Publikum finden müssen.

Über den Autor

Freia Oliv (fo)

Ausgebildete Redakteurin und Kunsthistorikerin mit Magisterstudium Kunstgeschichte, Germanistik und Völkerkunde. Darüber hinaus Autorin, Kunstvermittlerin, Dozentin und Reiseleiterin.

Hinterlassen Sie ein Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA

Captcha-Sicherheitsfrage gegen Spam-Mail (kommt leider immer wieder vor) Bitte vervollständigen Sie folgende Rechnung: