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Black Patti: Schön gejammert

Geht man nach dem auf die Bosco-Bühne projizierten Bild, ist "Black Patti" eine gerupfte schwarze Gans. Federn gelassen haben natürlich auch all jene Männer, die den Blues schieben, ob nun als von Frauen gebeutelte Spezies mit Tendenz zum Selbstmitleid oder als Bluesmusiker: "Der Blues ist eigentlich das Gejammer von Männern nach jahrelanger schlechter Behandlung", stellte Peter Krause gleich zu Beginn des Abends klar, den er gemeinsam mit Ferdinand "Mr. Jelly Roll" Kraemer unter dem Bandnamen "Black Patti" bestritt.

Blues der schönen alten Art war also geboten, nach Lust und Laune und ohne starres Programm: "Da sind wir ein bisschen wie die Piraten-Partei", warf "Peter Crow C." ein – womit sogar das Name Spelling ziemlich nach dem alten Süden klang. Der europaweit bekannte, vielfach ausgezeichnete Blues-Haudegen Krause und der erst 21-jährige, ursprünglich aus Gauting stammende Kraemer mit dem wirklich magischen Mandolinen-Händchen – da haben sich zwei gefunden, die kaum besser zueinander passen könnten: "Crow C.", der Ältere, mit aktuellem Wohnsitz in einem 27-Seelen-Kaff namens Willersdorf, gibt virtuos den einsamen Wolf, der beim Hantieren mit der Bluesgitarre trocken erwähnt: "Nur meine Frau war noch mehr verstimmt." Demgegenüber ist Ferdinand natürlich ein Jungspund ohne die großen Bitterkeiten des Lebens, aber aus Berlin ist auch er laut Peter schon mal "mit zerkratztem Gesicht heimgekehrt", seitdem trage der Kollege Bart. So geht das fröhlich weiter zwischen den Stücken, mit einem gesunden Schuss Frauenfeindlichkeit halt, damit der Blues umso überzeugender schmeckt.

Das Repertoire von "Black Patti" reicht vom Ragtime Blues der 20er Jahre über den alten Hobo-Blues mit stampfendem Zug-Rhythmus bis zu so anzüglichen Potenzproblem-Nummern wie "Busy blue that I can't come in" oder zu einem Boogie-Woogie, der "Pop-Version der Bluesmusik" (Krause). Black Pattis Reise kann auch zum Spiritual und wieder zurück zu den "Goin' Home"-Klassikern führen, die so viele weiße Blueser inspirierten. Krause/Kraemer setzen dieses durchaus vielschichtige Grundgefühl aber nicht nur musikalisch um, sie zelebrieren auch dessen äußere Haltung. Ob rein akustisch oder mit Gitarre, Harp und Mandoline – immer scheint bei diesen beiden Könnern ein tiefes Empfinden mitzuschwingen, so als habe mindestens einer von ihnen gerade einen ordentlichen moralischen oder sonstwie gearteten Kater. "Das Schöne an dieser Musik ist: Wir können montags lange schlafen", bastelt "Crow C." an der Legende bzw. am Image des echten Bluesers, und "Mr. Jelly Roll" guckt dazu, als wäre er selber gerade erst aufgestanden. Dabei ist Kraemer, der so junge, phantastisch begabte "Sohn dieser Stadt" (Krause) derartig ausgeschlafen, dass er die Mandoline sogar im Jimi-Hendrix-Stil hinter dem Kopf spielen kann. Allen Nummern dieses Abends gemeinsam waren Kraft und Vorwärtsdrang – bei allem textlichen "Gejammer" – und wenn es doch mal spirituell wurde und "Reverend" Peter mit tiefergelegter Stimme fragte: "Bruder, bist du bereit?", dann machte das begeisterte Publikum auch bei dieser Erweckungsoffensive singend und klatschend mit. "Black Patti" (benannt übrigens nach einem obskuren Plattenlabel) ist so schwarz, wie man als weißer Musiker eigentlich gar nicht sein kann. Eine fette Gans!

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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