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Lesung: Murakami im Bahnhof

Die „allerhöchsten Herrschaften“ waren in diesem Fall die Starnberger Fans des vielfach preisgekrönten japanischen Autors Haruki Murakami. Und sie hatten sich auf Einladung von Kulturveranstalterin Elisabeth Carr versammelt, um einer Lesung von Ryo Takeda mit dem Titel „Wie ich eines Morgens im April das 100%ige Mädchen sah“ zu lauschen.

Eigentlich könnte Ryo Takeda selbst eine Figur aus einem Roman von Murakami sein: Als Sohn einer japanischen Konzertpianistin und eines deutschen Schauspielers wurde er 1983 in Wiesbaden als geboren. Eine Sprecherausbildung brach er ab, um Musiker zu werden. Nach Zwischenstationen in Stuttgart und Hamburg ließ er sich in Erfurt  nieder und ist dort Teil des Künstlernetzwerks Zughafen. Mit dem Zughafen-Mitbegründer Norman Sinn schrieb er das Lied „Planlos“ und erzielte damit 2010 im „Bundesvision Song Contest“ den sechsten Platz. In letzter Zeit tritt er vor allem mit Lesungen in Erscheinung, seit diesem Jahr tourt er mit dem Murakami-Programm durch Deutschland. Am Freitagabend machte er damit Station im „Wartesaal für allerhöchste Herrschaften“ des historischen Bahnhofs in Starnberg.

Hier nahm er seine Zuhörer mit in die Welt von Murakami, irgendwo in Japan und irgendwo zwischen physischer und psychischer Realität. Er ließ im ehrwürdig holzverkleideten Wartesaal das Mädchen auftreten, das sich immer dann meldete, wenn es kein Geld, aber Hunger hatte. Und die Angewohnheit hatte, egal an welchen Ort, plötzlich müde zu werden und einzuschlafen. In ihrer Begleitung befand sich jener eigentümlich und kaum zu greifende junge Mann, dessen Beruf sich nur erahnen ließ, der einen makellosen, silberfarbenen deutschen Sportwagen fuhr – und der von Zeit zu Zeit zu seinem persönlichen Vergnügen oder auch nur aus Langeweile ein Feuer legte: „Ich habe das Gefühl, es gibt in der ganzen Welt Scheunen, die nur darauf warten, von mir abgebrannt zu werden“, erzählt er. Dann trat das „Birthday Girl“ auf und jener geheimnisvolle Restaurantbesitzer, der sich Abend für Abend ein Hühnergericht aufs Zimmer bringen lässt und den keiner seiner Angestellten jemals zu Gesicht bekommen hat.

Es wurde ein Abend, der so intensiv und zugleich lapidar war, so merkwürdig und surreal wie Murakami selbst: Der Bestseller-Autor, so erzählte Ryo Takeda zwischendurch, ist mittlerweile 65 Jahre alt. Er beginnt seinen Tag mit dem Sonnenaufgang und begibt sich bei Sonnenuntergang zur Ruhe. So führt er zwischen dem Schreiben und seiner zweiten Leidenschaft, dem Laufen, ein beinahe mönchisches Leben.

 

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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