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Unsichtbar: Künstlerkreis Ammersee im Wasserturm

„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“ Paul Klee hat vor knapp hundert Jahren diesen Satz geschrieben, der bis heute eine der wichtigsten Leitlinien der Moderne ist. Ganz in diesem Sinne hat nun der Künstlerkreis Ammersee seine Ausstellung unter dem Motto „Unsichtbar“ in der Beamtenfachschule Herrsching gestaltet. 26 Positionen fördern dabei das Gespür für die verborgenen, unbewussten, versteckten Dinge: philosophische und soziale Themen inklusive.

Die Spannbreite reicht von sehr stillen Arbeiten bis hin zu wirklich packenden Installationen. Gerade letztere sind sonst im Landkreis eher sparsam vertreten. Auch wenn die gesamte Präsentation der Mitglieder und Gastaussteller durchwegs spannend ist, sollen sie deshalb hervorgehoben werden. Allen voran Margot Marquardt: Ihre Sinn- und „Wortzufuhr“ für einen Schädel erfolgt von Büchern aus über ein Beamtungsgerät. Geistiges Input und Sprache als Nahrung sowie existenzielles Bedürfnis werden hier ins Zentrum gerückt. Als „Seelen-Sammler“ hat sie dann durchsichtige, überlange Plastikmäntel aufgehängt, fragil, bedingt belastbar, umhüllend und doch ungreifbar, so wie das Wesen des Menschen. Der Text der Schweizer Autors Jörg Schubiger von 1936 dazu ist einmalig: „Menschen, die oft traurig sind, haben eine lange Seele. Da ihnen diese bis auf die Schulter reicht, treten sie darauf, wenn sie gehen, stolpern sie darüber…“

Marquardt wie auch Johannes Hofbauer haben beide „Fühlkisten“ aufgebaut, Kästen zum Erspüren, die die Konzentration auf die Wahrnehmung und die Assoziationen legen. Der Feldafinger Bildhauer hat zudem in einem riesigen Holzring eine „begrenzte Leere“ eingefangen: Die Ästhetik und die Form, die er dem Unbegrenztem gibt, macht das philosophische Gedankenspiel einfacher. Seine hölzerne Geschenkbox vor dem Eingang demonstriert zudem, was die Ausstellung ist: ein echtes Geschenk voller Denkanstöße. „Guten Flug“ wünscht Marianne Schweigler dazu: Engelsflügel aus Landkarten auf einer Art Himmelsleiter laden ein zum grenzenlosen Erkunden.

Julius Wurst lässt uns die Bausteine der Welt entdecken: Er erarbeitet mit Grashalmen, Holz und Bindfaden ebenso zerbrechliche wie stabile Objekte, Verbildlichung der Quantenphysik einerseits, Hinweis auf die Ästhetik des Unscheinbaren andrerseits. Zum Schluss lädt dann Eva Zenetti dazu ein, selbst mal in eine andere Rolle zu schlüpfen: Ihre Kostüme, irgendwo zwischen Tarn-, Tier- und Gasmasken, ermöglichen uns Rollenspiele. Und versinnbildlichen den Perspektivenwechsel, den die ganze Ausstellung ermöglicht.

Über den Autor

Freia Oliv (fo)

Ausgebildete Redakteurin und Kunsthistorikerin mit Magisterstudium Kunstgeschichte, Germanistik und Völkerkunde. Darüber hinaus Autorin, Kunstvermittlerin, Dozentin und Reiseleiterin.

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