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20 Künstlerinnen, 20 Positionen: GEDOK-Ausstellung in Tutzing

Der Blick des kleinen Kindersoldaten frisst sich ins Gedächtnis. Auch die trauernde Frau am Totenbett ihres Mannes oder Sohns und die Verschleierte, die selbst eine Waffe in die Luft reckt, wird man so schnell nicht vergessen. Ira Blazejewska ist eine von zwanzig Künstlerinnen, die ihre Arbeiten ein Jahr lang in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing zeigen dürfen. Ihre ungerahmten Bilder auf Papier zeigen „Schwarze Witwen, Mütter, Amazonen“ im Kriegsgebiet Nordkaukasus und sind eindringliche politische Statements. Sie können deshalb exemplarisch für die glückliche Allianz zwischen der GEDOK, der Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfreunde e.V., und der Tutzinger Akademie stehen: Seit mittlerweile 25 Jahren schmücken Arbeiten von in der GEDOK organisierten Künstlerinnen die Akademieräume, jedes Jahr im Juni findet die Vernissage für die neue Ausstellung statt.

Interessant sind in der Auswahl, die von den beiden Kuratorinnen Ulrike Prusseit und Eva Kollmar getroffen wurde, vor allem eine ganze Reihe von Fotoarbeiten. Die Australierin Penelope Richardson etwa beschäftigte sich mit urbanen Subkulturen in den sozialen Brennpunkten von Bogota, Sydney und Melbourne. Sie zeigt eine Reihe von Bildmontagen, für die Jugendliche ihr Gesicht hinter Kapuzen, Mützen oder Haaren verbergen, jedoch für den Betrachter Zettelbotschaften in die Kamera halten: „Within us all there is love…“, hat einer von ihnen auf ein Stück Papier gekritzelt. „Fight City“ oder „Drop Pants“ lauten weitere Bildtitel. „Respire – Suspire – Inspire“ heißt die Fotoserie, für die Erika Kassnel-Henneberg jeweils zwei Motive auf einem plisseeartig gefalteten Untergrund abbildet. Je nachdem, aus welchem Blickwinkel man sie betrachtet, verändern sie sich wie Vexierbilder. Von einer Seite ist jeweils das Gesicht eines Kindes zu sehen, es wird ergänzt durch eine Bildmetapher für das Atmen und damit für das Leben an sich.

Patricia Lincke zeigt drei Stills aus einem Video: Vor einer grauen Häuserfront tanzt Frau in einem weißen Kleid, das sich bei genauerem Hinsehen als weiße Spitzen-Gardine entpuppt – und eine irritierende Verbindung zu den Fenstern des Wohnblocks herstellt. Rose Stach hat Menschen auf der Promenade Croisette in Cannes während der Filmfestspiele fotografiert, ihre Bilder sind Bespiele skurriler Selbstinszenierung.
 

Freilich sind bei weitem nicht alle der diesjährigen „20 Positionen – Malerei, Zeichnung, Fotografie, visuelle & konzeptionelle Arbeiten“ als politische Kunst zu verstehen. Manches ist einfach nur dekorativ, einiges wurde schon in anderen Zusammenhängen gezeigt, das meiste aber ist ausnehmend gut platziert. Gerade durch die Vielfalt der gezeigten Kunstwerke ergibt sich eine insgesamt spannende Ausstellung.

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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