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Glentleiten: Brautschuhe aus Herrsching

Ein Hochzeitsfoto von den Urgroßeltern gibt es wahrscheinlich in jeder Familie. In manch einem alten Bauernhaus mag sich bis heute auch ein Aussteuerschrank erhalten haben, den eine Hochzeiterin mit auf den Hof brachte: sorgfältig bestückt mit Flachs, Garn und Leinenballen, mit bestickter Weißwäsche und Kleidung für ein ganzes Leben. Eins der wertvollsten Stücken einer solchen bäuerlichen Aussteuer war sicherlich die kunstvoll gefertigte Riegelhaube, die zum Festtagsgewand getragen wurde. Einen ganzen Kammerwagen und alles, was in früheren Zeiten zum Heiraten gehörte, kann man seit dem vergangenen Wochenende im Freilichtmuseum auf der Glentleiten bewundern: „Vom Anbandeln zum Abdanken“ heißt die aktuelle Sonderausstellung, die am Sonntag eröffnet wurde.

Nicht nur Museumsstücke und Archivalien, auch private Erinnerungsstücke – auch aus dem Fünfseenland – haben den Weg in die Ausstellung gefunden: Sehr modern und sehr städtisch müssen im Jahr 1920 zum Beispiel die weißen Brautschuhe gewesen sein, die eine Hochzeiterin in Herrsching getragen hat. In einer roten Schachtel hat sie die Schnürschuhe zusammen mit dem Schleier und dem getrockneten Brautkränzchen aufbewahrt. Jetzt zeugen sie neben Brautkronen, Ringen und Brautgürteln vom Wandel des Hochzeitsbrauchtums in Oberbayern zwischen 1850 und 1950. Trugen Bräute ursprünglich die bunte Werdenfelser Tracht oder den Schalk als traditionelles Festtagsgewand fürs ganze Leben, setzte sich auch auf dem Land um die Jahrhundertwende ein städtisch anmutendes schwarzes Kleid mit kleinem Schleier und Blumenkränzchen durch. Das weiße Brautkleid hingegen ist eine relativ junge Mode, die in ländlichen Regionen erst in der Zeit zwischen den Kriegen aufkam.

Die Sonderausstellung, die den ganzen Sommer über zu sehen ist, stellt umfassend lebendige und fast vergessene Bräuche rund ums Heiraten dar. Sie zeigt auf, wie und wo man in früheren Zeiten anbandeln konnte, erklärt die Aufgaben des Schmusers und des Hochzeitsladers, aber auch die Funktion des Hennenklemmers, den Ja-Schmarrn, das Kammerwagenfahren, das Weisen und schließlich das Abdanken. Zur Ausstellungseröffnung am Sonntagvormittag gab es natürlich Schmalznnudeln, die bei einer Hochzeit in früheren Zeiten nicht fehlen durften – und natürlich durften die Gäste sie auch ins Bschoad-Tüchl einpacken und mit nach Hause nehmen. 

Auch in einigen historischen Häusern auf der Glentleiten wird das Thema Hochzeit aufgenommen, zu sehen sind zum Beispiel eine „gute Kammer“ oder ein Austragsstüberl, aber auch eine Almhütte, der ideale Ort zum Anbandeln ohne Sünd. Sonderführungen und ein Rahmenprogramm begleiten die Ausstellung (bis 11.11.2014). Mehr Informationen unter www.glentleiten.de

 

Wissenswertes zum Hochzeitsbrauchtum und Tipps für Brautpaare unserer Zeit findet sich auch in dem Buch „Unter die Haube gebracht – Das bayerische Hochzeitsbuch“ von Martina Sepp, erschienen im Volk Verlag.

 

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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