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FSFF: Betörender emotionaler Wahnsinn “Die geliebten Schwestern”

Dieser Schiller! Werden die Damen sagen. Diese Charlotte! Und die Caroline! Werden Männer seufzen. Alle drei – die haben was. Erst recht die Geschichte: Eine Liebe zu dritt. Freiheit, Unbürgerlichkeit, Leidenschaft, emotionaler Wahnsinn: Das alles ist vorprogrammiert. Genau deswegen wollte Matthias Helwig „Die geliebten Schwestern“ noch vor dem Bundesstart. Nach drei Stunden Historiendrama der Dank dafür am Dienstag in Starnberg: minutenlanger Applaus für die Crew um Regisseur Dominik Graf, die sich schlicht auf der Bühne verneigte. Wer hier nicht live dabei war, sollte sich die Vorstellung am 3. August reservieren.
 
Viele große Liebesdramen auf der Leinwand leiden an Kitscheritis, wahlweise an Überforderung der Tränendrüsen oder an Möchtegern-Erotik. Nicht so die Geschichte um Friedrich Schiller (1759-1805), der in seinen 46 Lebensjahren vom Inbegriff des literarischen Revoluzzers zum Kulturbildungsgut der Deutschen geworden ist und jede Menge Stoff für ein bewegendes Bildungsepos geliefert hätte. Dominik Graf inszeniert genau die Lücke im Lebenslauf des körperlich schwächelnden, geistig umso kraftvolleren Poeten und Denkers: sein Verhältnis zu den beiden Schwestern von Lengefeld. 1787 hat er die Familie kennengelernt, 1790 heiratet er Charlotte. Und Caroline? Graf kommentiert selbst, dass hier größtenteils emotionale Fiktion entlang eines geschickten Tatsachengerüsts über die Literatur, die Lebensverhältnisse und die philosophischen Dispute der ausgehenden 18. Jahrhunderts einsetzt. Aber was für eine!
 
Schier unverbrüchlich erscheint die Liebe der beiden Schwestern: Caroline (Hannah Herzsprung), die mit einer Zweckehe die Familie gerettet und bisher sowohl ihre Leidenschaft wie ihr literarisches Talent gezügelt hat, und Charlotte (Henriette Confurius), die scheinbar Fragile, die zu immer mehr Dominanz findet. Es sind diese beiden Frauen, die stark sind: als Charaktere, in Liebe und Zwist, aber auch als Darstellerinnen. Schiller (Florian Stetter) ist ein Sympathieträger mit jugendlicher Leichtigkeit, keckem Wort und flammender Sehsucht im Hintergrund, der alles an seine gerechte Liebesverteilung setzt. Das vollkommene Glück erfährt er bei seiner Antrittsvorlesung in Jena mit seinen beiden geliebten Zuhörerinnen, die so ein Sinnbild der geistigen Erfüllung wird. Die körperliche übrigens wird in einer Szene dargestellt, die quasi ohne Nacktheit das Mark erschüttert.

 
Dass das Schicksalsrad dabei gerade von Briefen befeuert wird, ist eine Liebeserklärung an das Wort, das in wunderbaren Bildern inszeniert wird. Das Tolldreiste der Ménage à trois, nicht zum ersten Mal Grafs Thema, wird mit kleinen Kunstgriffen herausgestellt, flankiert von der gewieften Mutter Louise (Claudia Messner) und dem wahren Schiller-Freund Wolzogen (Ronald Zehrfeld). Brillante Bilder setzen differenzierte Charaktere als Gesellschaftsstudien in Szene. Der Film ist eine Hommage an eine Zeit des Umbruchs, an den Mut der Frauen und an eine moderne Selbstbestimmtheit inmitten aller Zwänge. Das Historische wird zu einer betörende Variante des Heute, die Literatur wird zur Liebe. Mehr hätte Schiller nicht wollen können.

"Die geliebten Schwestern" laufen beim 8. FSFF noch einmal am 03.08. um 18:00 Uhr im Kino Breitwand in Starnberg.

Der Soundtrack zum Film von Sven Rossenbach und Florian van Volxem ist übrigens beim Münsinger Label BSC erschienen, erhältlich bei iTunes oder gleich hier:
 

Über den Autor

Freia Oliv (fo)

Ausgebildete Redakteurin und Kunsthistorikerin mit Magisterstudium Kunstgeschichte, Germanistik und Völkerkunde. Darüber hinaus Autorin, Kunstvermittlerin, Dozentin und Reiseleiterin.

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