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FSFF: Großes Kino mit INFAMIS

„Ganz großes Kino“ heißt der erste Song auf dem jüngsten Album der Berliner Gruppe „Infamis“, und man versteht sofort, warum FSFF-Ehrengast Wim Wenders die von ihm produzierten fünf Musiker zum Fünf-Seen-Film-Festival mitgebracht hat: Genau wie der Regisseur pflanzen sie einem nachhaltige Bilder in den Kopf, erzeugen suggestive Stimmungen.

„Infamis“ atmet die Verzweiflung eines düsteren Western, jeder Song ein Showdown – beim Konzert am Freitagabend in der Schlossberghalle erzählt Wenders, wie er erst vor ein paar Jahren auf die bereits seit Jahrzehnten existierende Band stieß: In San Francisco war's, ein kundiger Interviewer steckte dem Deutschen eine „Infamis“-CD zu – als der Regisseur irgendwann zu Hause seinen Reisekoffer auspackte und die längst vergessene Scheibe auflegte, muss das für Wenders wie ein Donnerschlag gewesen sein.

„Ach was geht's mich an auf der Durchreise“, singt René Schwettge, die nach Asphalt-Cowboy klingende Stimme von „Infamis“, Wenders aber hörte genauer hin, entdeckte die Seelenverwandtschaft dieser Musik zu seinen Filmen. „Ich hatte ja lange keine Ahnung“, sagt er in Starnberg fast entschuldigend. Heute produziert er die Berliner auf seinem eigenen Musik-Label, das er für den Soundtrack zu „Pina“ einst aus der Not heraus gegründet hat. Wenders hat mit Ry Cooder gearbeitet („Paris, Texas“), den kubanischen Giganten des „Buena Vista Social Club“ ein filmisches Denkmal gesetzt – keine schlechten Voraussetzungen dafür, dass auch „Infamis“ noch groß rauskommen könnte.

„Ich bin schon ewig hier, wo seid ihr?“, singt die Stimme, als fordere sie jemanden zum Duell auf staubiger Straße: Die schicksalsschweren Western-Motive, die ja schon Wenders' Regie-Kollege Quentin Tarantino so liebt, sie scheinen auch an diesem Abend in der artig bestuhlten Schlossberghalle auf: Rache, Verrat, Einsamkeit und Tod, betörend besungen. Bis zu drei Gitarren, Bass, Banjo, Drums. Ein Bob-Dylan-Song erinnert an das mythische Drama um den Outlaw Billy the Kid, Dylan spielte ja selbst in der Sam-Peckinpah-Klassiker „Pat Garrett jagt Billy the Kid“ von 1973 einen geheimnisvoll-wortkargen Bluesharp-Musiker.

Hinter die Bühne projizierte Bildschleifen verstärken die suggestive Kraft dieses Konzerts noch: „Lasst doch die Wüste weiter wandern, lasst mich mal was opfern“, singt Schwettge in „Lied ohne Wert“. Ein Brückenschlag zur Ernüchterung von heute – die Gruppe „Portishead“ lässt grüßen. Musiker wie Maren van Ham, Pierre Moulin, Benno Verch haben keine Colts, sie haben Gitarrensaiten und Drumsticks, und ihr zuweilen wütender, dann wieder resignativer Sound ist wie ein Kommentar zum Wenders-Blick auf diese Welt: Sie ist ebenso wundervoll wie unrettbar. Die Stimme singt: „Hände hoch! Jetzt kommt das Zittern...“ Großes Kino.

Heute Abend, Samstag, 26. Juli, um 20 Uhr spielt INFAMIS noch einmal im Stadttheater Landsberg. Um 22:00 Uhr wird dann Wenders’ Tanz-Dokumentation „Pina“ in Anwesenheit des Regisseurs Open Air auf dem Roßmarkt in Landsberg gezeigt.


Weitere Bilder vom INFAMIS-Konzert finden Sie in unserer Bildergalerie
 

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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