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Literarischer Herbst: Heute bei Königs zuhause

Mit einem wahrhaft furiosen Auftritt von Lola Montez hat am vergangenen Wochenende der diesjährige „Literarische Herbst“ begonnen. Die Schauspielerin Angelika Krautzberger, las – sich im Spiegel betrachtend – im Spiegelsaal von Schloss Garatshausen aus den Memoiren der „spanischen Tänzerin“ die weder aus Spanien kam, noch Tänzerin war. 

Königlich geht es heute Nachmittag auf der Roseninsel weiter: Das Casino, das sich König Maximilian II. von Bayern um die Mitte des 19. Jahrhunderts dort – als Teil einer geplanten Schlossanlage am Feldafinger Ufer – erbauen ließ, kann exemplarisch für die Antikenbegeisterung des 19. Jahrhunderts stehen. Vorbilder für die Dekoration des Casinos waren pompejanische Wandmalereien. Das von Johann Georg Hiltensperger ausgeführte Freskenprogramm knüpft an antike Texte an. Bei einem Rundgang durch das Haus wird eine kleine Auswahl zu hören sein: von Sappho, der legendären Dichterin der griechischen Insel Lesbos, von Vergil, dem „Vater des Abendlandes“, von den Liebesdichtern Ovid und Catull. Mythos, Vision und Utopie werden für Augenblicke Wirklichkeit.

Auch chronologisch knüpft die zweite Veranstaltung an die erste an: Der Erbauer des Casinos auf der Roseninsel gelangte 1848 auf den Thron, weil sein Vater, König Ludwig I., über seine Affäre mit Lola Montez gestolpert war und zurücktreten musste. Das Gebaren jener verwegenen jungen Dame, die so offensichtlich die Schwächen des liebestollen ältlichen Monarchen ausnützte und ihn zum lächerlichen Trottel machte, löste einen der größten Skandale der bayerischen Geschichte ausgelöst. Angelika Krautzberger hatte dem Literaturpublikum am vergangenen Samstag einen geradezu voyeuristischen Blick ins Boudoir jener Lola Montez gewährt, an der nichts, nicht einmal ihr Name der Wahrheit entsprach: Sie war nämlich keineswegs 1821 als „Maria de los Dolores Porrys y Montez“ in Sevilla geboren worden, sondern als Elizabeth Rosanna Gilbert im Vereinigten Königreich.

Krautzberger erwies sich als hochprofessionelle, großartige, aber auch kluge Schauspielerin, indem sie aus der Kurtisane des 19. Jahrhunderts eine Frau unserer Zeit machte, eine wie Bettina Wulff, ein enttäuschtes Luder, das abrechnet und die Schuld überall sucht, nur nicht bei sich selbst. Nicht allein mit Worten, sondern mit dem, was sie zwischen den Zeilen gefunden hatte, ließ sie in gerade einmal einer Stunde ein ganzes Leben passieren, Aufstieg und Fall einer rastlosen, skrupellosen Frau, die nicht weniger wollte, als die Welt zu erobern. Die schauspielerischen Mittel, die sie dafür brauchte, waren ebenso minimalistisch wie ihre Requisiten. Sie kam barfuß und ungeschminkt und war das kleine Mädchen, das ins Pensionat geschickt werden sollte. Sie malte sich vor dem Spiegel die Lippen rot und zog Highheels an, als sie ihre Unschuld verloren hatte. Sie band sich das Haar zum Knoten und reckte den Kopf, als sie Tänzerin geworden war. Sie legte sich eine Stola um und stolzierte eingebildet vor dem Spiegel auf und ab, als der König sie zur Gräfin Landsfeld erhoben hatte. Sie verlor die Fassung, sie zerriss wütend den Brief, als sie des Landes verwiesen wurde, das schöne Gesicht zerfloss wie das Haar, das sich löste. Und es wurde schließlich hart wie die Gesichter von Frauen, die vor dem Spiegel die Falten mustern und das Dahinschwinden der Jugend beklagen.

Man darf sehr gespannt sein, wie es heute "bei Königs zuhause“ weitergeht…

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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