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Luise Kinseher: Ruhe bewahren!

„Das ist das Problem – meine Erotik!“, sagt Luise Kinseher. Gerade hat sie sich von der Bühne im Alten Wirt herab auf ein Geplänkel mit einem offenbar älteren Herrn aus dem Publikum eingelassen, und der Zuspruch aus der Viagra-Generation scheint gar nicht mehr enden zu wollen. Die zweifellos vorhandene, leicht barocke Kinseher-Erotik, sie wird von der 45-jährigen Kabarettistin ganz bewusst ins Spiel gebracht, schließlich geht es auch bei ihrem neuen Programm „Ruhe bewahren!“ mal wieder um die inszenierte Torschlusspanik einer Mittvierzigerin, die nach eigenen Angaben „schon seit 15 Jahren 30“ ist, aber das nicht mehr lange durchhält.

Die Kinseher arbeitete schon immer mit vollem Körpereinsatz, vor allem da, wo das gesprochene Wort nicht ausreichte und statt dessen ihr zwischen „Mama Bavaria“ und „Landei“ changierender Charme mehr auszurichten bzw. anzurichten vermochte. Die Leute, vor allem die männlichen Fans, mögen ihre kokette Art, sich als „liabs Madl von nebenan“ zu geben, das in zunehmend ernüchternden Zeiten irgendwie noch immer auf den Handy-Anruf des Märchenprinzen wartet. Luise Kinseher verkauft sich ganz bewusst so (Regie: Beatrix Doderer) und lässt hinter ihrer äußerlich dominierenden Weiblichkeit eher selten jene lauernde Geistesschärfe hervorblitzen, die sie ja genauso im Repertoire hat. Wie schon bei Vorgänger-Programmen wie „Einfach reich“ oder „Hotel Freiheit“ legt sich die komödiantisch so vielschichtige Künstlerin aber nicht nur auf einen Typus fest, sondern schafft Gegengewichte und weitere Projektionsflächen: Die herrlich verhärmte „Helga Freese“ im Regenmantel grauer Freudlosigkeit oder die nicht aus dem bunten Morgenmantel findende Alkoholikerin, die die in rührender Weise die Physik der Welt erklärt. Ausgerechnet hier probiert Kinseher bei der „Welturaufführung“ ein paar intellektuelle Pointen aus, die beim Publikum nicht zünden, etwa die Formulierung „Quanten-Familie“ (in gewagter Assoziation zur superreichen, real existierenden Familie Quandt): Kinseher wartet wie auch an einer anderen, anspruchsvolleren Stelle kurz, ob die Leute ihr folgen könen, und sagt dann: „Des wer' i glei wieda streicha derfa!“ Gut, das Programm wird sicher noch nachverdichtet.

Eine ihrer großen Stärken aber ist die Schlagfertigkeit, das zeigt sich auch in Etterschlag wieder einmal: Einen weiteren Senior im Publikum, der sich bei der Zugabe ausführlich über den zu leisen Bühnen-Lautsprecher zu äußern gedenkt und Kinseher damit fast die Schau stiehlt, bedient sie mit dem Satz: „Sie wollen damit sagen, die hinten im Saal hören besser?“ Gottseidank verharrt die Luise nicht bei solchen Rentner-Befindlichkeiten, sondern gönnt sich und den Leuten auch wieder einen Schlenker ins Politische: Wir erfahren, dass Seehofer als Einziger nichts einnimmt, „weil er kifft“ und dass „der Söder niemals bayerischer Ministerpräsident wird“ – und warum ist das so sicher? Weil die Kinseher sich all das, was nicht sein soll und nicht sein darf, wie im Ausschlussverfahren einfach vorstellt! Das kleine Mädchen, das sie ja auch noch immer sein kann, es singt wirklich hinreißend: „Dream a little dream of me“. Wird gemacht. Ruhe bewahren, ihr Väter!

www.luise-kinseher.de

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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