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Macht Appetit auf Brot-Backen und Literatur: "Gemma Bovery"

So etwas kriegen wohl nur die Franzosen hin: Gustave Flauberts Sittenroman „Madame Bovary“ als Vorlage für eine moderne Stalking-Komödie zu benutzen, ohne dabei das literarische Gedankengut allzu sehr zu glätten – „Gemma Bovery“ von Anne Fontaine führt höchst unterhaltsam vor, dass Frauen noch immer zum Opfer männlicher Projektionen werden können.

Als der Bäcker und Flaubert-Fan Martin Joubert (Fabrice Luchini, unlängst in „Molière auf dem Fahrrad“ zu sehen) eines Tages in seinem Dorf in der Normandie die Boverys, ein britsches Paar (Gemma Arterton und Jason Flemyng), als Nachbarn bekommt, glaubt er in Gemma eine wiedergeborene Madame Bovary zu erkennen: Auch sie, so wollen es die bald einsetzenden Projektionen Jouberts, scheint wie ihre Namensvetterin gelangweilt vom Leben, auch sie wird wie im Roman bald eine Affäre mit einem jungen Schlosserben beginnen – sehr zum Missvergnügen Martins, der von der erotischen Ausstrahlung der jungen Frau selbst erheblich irritiert ist. Weil Joubert aber das weitere Schicksal der Flaubert'schen Figur genau kennt, redet sich der im Grunde nur eifersüchtige Dorfbäcker bald ein, selbst „Schicksal“ spielen zu müssen, um vermeintlich Schlimmeres zu verhindern: Mit einem fingierten Abschiedsbrief zerstört er Gemmas heimliches Verhältnis – und löst dadurch eine tragische Verkettung aus ...

Regisseurin Anne Fontaine verknüpft die literarische Ebene des 19. Jahrhunderts mit der heutigen Wirklichkeit auf sparsame und dennoch effektive Weise. Auf der Graphic Novel der Engländerin Posy Simmonds (21. Jahrhundert) aufbauend, bringt sie dem Kinobesucher auf unaufdringliche Weise ein Stück Weltliteratur nahe. Die Schauplätze in der ländlich-idyllischen Normandie sind ebenso sorgsam ausgesucht wie die Rollenbesetzung: Fabrice Luchini kommt von der klassischen Theaterbühne und verkörpert den zitatenfesten Flaubert-Verehrer aufs Schönste – hier schlägt der Film über den sinnlich inszenierten Vorgang des gemeinsamen Brotteig-Knetens (Martin/Gemma) eine herrliche Brücke zur vibrierenden Körperlichkeit der Hauptdarstellerin. Man hätte kaum eine besser Geeignete als Gemma Arterton für diese „Bovery/Bovary“ finden können. Die anderen Männer und Frauen rund um Gemma, sie bleiben notgedrungen recht blass, doch sind sie in der Summe ihrer selbstsüchtigen Motive am Ende im Stande, Gemmas Leben zu zerstören.

„Gemma Bovery“ läuft bis mindestens 1. Oktober täglich im Breitwand-Kino Seefeld.

 

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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