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Der besondere Tipp: Asyl im Bahnhof

Marktschreierisch und zugleich poetisch, komplex und verwirrend ist die raumfüllende Installation von Adidal Abou-Chamat in der ehemaligen Schalterhalle des Starnberger Bahnhofs. Die in München lebende Künstlerin zeigt zur aktuellen Themenausstellung „Asyl“ im Rahmen der von Katharina Kreye, Ulrike Prusseit und Ursula Steglich-Schaupp kuratierten Reihe „nah – fern“ die Arbeit „Off the revolution“, bestehend aus insgesamt 33 Zeichnungen und Collagen auf Aluminiumplatten. Die einzelnen Bildmotive sind dabei auf vielfältige Weise miteinander verbunden: Ihr Gesicht verbergen sowohl der Mann – oder die Frau? – unter der schwarzen Strumpfmaske als auch das verschleierte Mädchen in der Pluderhose. Diesem Mädchen wie aus 1001 Nacht wiederum ist sozusagen als westlicher Gegenentwurf eine Frau im Cocktailkleid mit Perlenkette gegenüber gestellt. Die Namen von RAF-Terroristen stehen neben Gedichtzeilen. Zu sehen sind Helden und Idole einer anderen Generation, Symbole einer anderen Kultur. 

Es  geht um das Anderssein in unterschiedlichsten Facetten, Krieg und Flüchtlinge sind nur eine davon. Adidal Abou-Chamat versteht sich selbst als Grenzgängerin zwischen den Kulturen, sie wurde 1957 in München als Tochter einer deutschen Mutter und eines syrischen Vaters geboren, verbrachte sie ihre ersten Lebensjahre in Saudi-Arabien. In München studierte sie Enthnologie, in England und New York Bildende Kunst und Kulturwissenschaften. In ihrer künstlerischen Arbeit sichert sie Spuren und misstraut vorgefertigten Identitätsmodellen, sie stellt Rollenzuweisungen in Frage, gesellschaftliche wie sexuelle, politische wie kulturelle. 

Die große Installation auf einer leicht nach hinten gekippten weißen Tafel, die den rückwärtigen Teil der Schalterhalle abdeckt, wird an beiden Längsseiten des Raums von einer schlichten Reihe kleinformatiger Fotografien von Jakob Berr und Katharina Kreye flankiert. Die Bilder, die aus ursprünglich anderen Zusammenhängen stammen, sind jeweils paarweise angeordnet, immer ein farbiges Bild des Fotojournalisten Jakob Berr mit einem Schwarz-Weiß-Bild der Starnberger Künstlerin Katharina Kreye. Jakob Berr zeigt Aufnahmen aus einer Serie, die im Dezember 2013 für eine Bildreportage der Süddeutschen Zeitung entstanden sind: Er fotografierte Asylbewerber aus Ghana, Syrien und Afghanistan, die auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung ihr Land verlassen haben, die zu Fuß oder auf Booten nach Europa gekommen sind, die Schreckliches erlebt haben und dann in Deutschland an völlig abgelegenen Orten unterbracht wurden, Orten allerdings, die als attraktive Ziele für Touristen und Erholungsuchende gelten und landschaftliche Reize zu bieten haben. Katharina Kreye zeigt noch einmal eine kleine Auswahl aus einer bestehenden und auch bereits mehrfach ausgestellten Serie von mittlerweile rund 80 Aufnahmen, für die sie Menschen an für sie jeweils bedeutungsvollen Orten fotografiert. Neu hinzugekommen sind für die aktuelle Ausstellung zwei Aufnahmen von jungen Männern, die in der Asylbewerber-Unterkunft im Mühltal leben. Auch das ist ein landschaftlich reizvoller, aber eben sehr abgelegener Ort.  

Die Ausstellung ist an diesem Wochenende und an den kommenden beiden Wochenenden jeweils freitags bis sonntags von 14:00 bis 18:00 Uhr zu sehen. Am letzten Tag, dem 16. November 2014, gibt es ab 16:00 Uhr eine Finissage.

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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