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Furiose Premiere: Glenn Miller & Sauschwanzl

Nicht in der vielbeschworenen guten alten Zeit, sondern ausgerechnet in der schlechten Zeit, in den Hungerjahren nach dem Krieg, spielt der turbulente Dreiakter von Christian Lex, den das Ammerseer Bauerntheater in dieser Saison auf die Bühne auf die Bühne bringt. Am Samstagabend feierten die Laienspieler mit „Glenn Miller & Sauschwanzl“ eine furiose Premiere im Kultursaal des Andechser Hofs in Herrsching, die Herrschinger Blasmusik sorgte in den Pausen für swingende Stimmung.

Im Frühjahr 1946 dreht sich das Leben der Metzgersfrau Johanna Aicher darum, wie man sich durchwurschteln kann – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Um die Familie in Zeiten der amerikanischen Besatzung durchzubringen, wird nicht nur tagsüber offiziell, sondern auch noch nachts heimlich geschlachtet. Wurst und Schinken sind in den Hungerzeiten begehrte Zahlungsmittel, auf dem Schwarzmarkt in München ebenso wie im heimischen Teislfing.

Johannas Mann Vitus ist immer noch nicht aus dem Krieg zurück, deshalb müssen auch die Oma und die beiden Kinder mit anpacken. Alle sind an dem illegalen Treiben beteiligt, jeder auf seine Weise und mit einer verwegenen Portion Bauernschläue. Nur Johannas Vetter Ernst August fällt beim Schlachten aus – und auch das im wahrsten Sinne des Wortes, denn er kann kein Blut sehen und wird deshalb in passenden wie unpassenden Momenten ohnmächtig. In einem dieser unpassenden Momente schneit eine „Hamsterin“, die aus dem Schlesischen stammende Flüchtlingsfrau Edda, ins Haus. Sie sieht und hört mehr, als für fremde Ohren bestimmt ist – und weiß dieses Wissen schon bald recht geschickt einzusetzen.

Auch der Fleischkontrolleur Jackl Bachmeier ist Mitwisser und Profiteur des blühenden Handels mit Schweinernem. Aber er hat es nicht nur auf die Wurst, sondern gleich auf die ganze Metzgerin abgesehen. Die wiederum muss den amerikanischen GIs schöne Augen machen, die auf einmal vor der Tür stehen, und ihre Tochter gleich mit dazu. Um ein Haar wäre das geheime nächtliche Treiben schon bei diesem ersten Kontrollbesuch aufgeflogen. Als aber dann die Tochter des Hauses sich "von der Kontrolle" abholen lässt und für ein ganz anderes nächtliches Treiben im amerikanischen Offiziers-Casino Swing-Tanzen lernen muss, nimmt das Geschehen ungemein an Fahrt auf. Zwischendurch gibt es endlich wieder einmal Bohnenkaffee und noch andere freudige Überraschungen, ein einzelner Seidenstrumpf muss als Liebesgabe herhalten – und dafür hat am Ende die Sau Waldtraud ein Sauschwanzl zu viel…

Das turbulente Stück braucht keine komplizierten Handlungsstränge, es lebt von seinen vielen komischen Momenten und von den Dialogen. Vor allem aber sind es die höchst ambitionierten Schauspieler, denen es sein Tempo verdankt: Nicht tauschen möchte man mit dem schwach besaiteten Ernst-August (gespielt von Ralf Bürklein), der in seinen leblosen Momenten wie ein nasser Sack herumgewuchtet und über den Boden gezerrt wird, und in den wachen schwäbelt, was das Zeug hält. Christian Dlusztus ist kurzfristig eingesprungen und gibt einen ebenso strengen wie ritterlichen „Captain Arch Duke“, ihm zur Seite steht Thomas Dietl als ganz und gar charmanter Fred Thanner, der nicht nur den Hüftschwung beim Swing meisterhaft beherrscht. Franz Czasny befeuert am Ende des zweiten Aktes als der heimkehrende Vitus Aicher das Bühnengeschehen, Rosalie Kletzander spielt die temperamentvolle Schlesierin und versucht sich ganz zum Schluss sogar mit dem Bairischen. Tom Thaler gibt den sympathisch-draufgängerischen 16jährigen Maxl Aicher und Renate Bartsch ist im Morgenrock wie in der Metzgerschürze eine Oma wie aus dem Bilderbuch. Julia Pauker als Töchterchen Hilde bezaubert mit einer herrlichen Tollpatschigkeit und vor allem mit ihren wunderbaren Grimassen. Und schließlich überzeugt Simone Saalmann als resolute Johanna Aicher, die das Ganze als wahrhafte „Mutter Courage“ von Anfang bis Ende zusammen hält.
 


Alle Aufführungstermine des Ammerseer Bauerntheater auf einen Blick

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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