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Nick Woodland: Der Good Guy mit der E-Gitarre

"My name is Edward Snowden – I‘m a good guy!" sagt Nick Woodland am Ende des Bosco-Auftritts über sich selbst. Zuvor hat er seine Mitstreiter noch ohne Flunkereien vorgestellt: Den bewährten Tom Peschel am Bass, den wunderbar dynamischen Manfred Mildenberger an den Drums und seinen alten Weggefährten Klaus Reichardt, der außer dem Keyboard auch noch so unvergleichlich die Pedal Steel Guitar zu handhaben versteht.

Dieses Instrument – wir zitieren Wikipedia – "ist ein in den 1930er-Jahren in den USA entwickeltes, elektronisches Zupfinstrument (...), das insbesondere im Bereich der Country-Musik Verwendung findet". Verschiedene Pedale und Kniehebel erlauben es, so Wikipedia, "während des Spielens die Tonhöhe der Saiten zu ändern. Auf den offen gestimmten Saiten wird mit Hilfe eines darüber gleitenden Slide Bar (Gleitstabes) in der Greifhand die Tonhöhe variiert, während die Zupfhand die Saiten anreißt, meist mit Hilfe von auf die Fingerspitzen gesetzten Fingerpicks." Das hierbei entstehende, schön abwechslungsreiche Klangbild faszinierte die Zuhörer an diesem Bosco-Abend mindestens ebenso wie Nick Woodlands in allen Sätteln gerechte Gitarrenkunst, ja, man kann sogar sagen, die zumeist sitzend gespielte Pedal Steel Guitar ermöglichte erst jenes stilistisch breite Band, das die Leute so begeistern sollte: Der aus London stammende Woodland ist hierzulande ein alter Bekannter, in München und näherer Umgebung seit über dreißig Jahren sogar eine der prägenden Figuren der Musikszene. Sein äußerlichen Markenzeichen sind der schwarze Zylinder und eine Jacke aus mutmaßlich Klapperschlangen-Leder, was dem 63-jährigen Nick die Aura eines Voodoo-Priesters verleiht. Dazu kommt Nicks charakteristische Nickelbrille, die er während des schweißtreibenden Gigs immer wieder mal putzen muss: "Es gibt nichts Schlimmeres als furztrockene Brillenputztücher", sagt er zwischendurch, als es um den Durchblick geht.

Trocken sind vielleicht seine Ansagen, sein Gitarrensound ist das genaue Gegenteil: saftig, perlend, jederzeit für Überraschungen gut. Nach einer kraftstrotzenden Passage kann Woodland urplötzlich auf das zarteste Fadeout schalten, zuweilen im leise wimmernden Dialog mit Reichardts Pedal Steel-Saiten. Der Ohrenzeuge solcher Zauberstücke wird in solchen Momenten auch emotional aufs Schönste bedient: Treibende Songs in kernigen Dur-Tonarten, die romantische Breaks mitbringen. Mischformen zwischen idyllischem Country und vorärts drängendem Reggae, Blues-Nummern mit klaren Botschaften (Vocals: Woodland/Reichhardt), fröhlich dahinratternde Cajun-Songs, bei denen Klaus Reichhardt mit dem Keyboard das typische Musette-Akkordeon ersetzt. All diese Herrlichkeiten wären aber nicht möglich ohne Manfred Mildenbergers wuchtiges Drumming, das Tom Peschels Bass und Woodlands dominierendem Part das nötige Selbstbewusstsein entgegensetzt – bis hin zur "spacigen" Surfrock-Übung bei der dritten Zugabe, die ein wenig an "B-52s" erinnerte.

Was diese Vier Herren anpacken, wird zum stilistischen Ereignis. Jeder Talking Blues, jeder R'n'B wird bei Nick Woodland & Co. aber nicht nur technisch sauber gemeistert, sondern auch seiner Natur gemäß mit Respekt behandelt: Blues hat dem Zuhörer auch textmäßig was zu sagen, das macht Nick immer wieder deutlich – ob da was "brodelt" (Something‘s Cooking), ob da einer weiß, wo es für ihn lang gehen soll (No Other Woman), oder ob alles schon zu spät ist (Train Into Town) – immer wird auch eine Portion Lebensweisheit mitgeliefert. Nick Woodland sagt über sich selbst, er fühle nur und denke nicht, wenn er Gitarre spielt. Das mag für ihn stimmen, für sein Publikum gilt wohl eher beides: Es wird emotional gepackt und nimmt auch noch ein paar kluge Gedanken mit nach Hause, zum Beispiel die aus Nicks ganz persönlichem Antikriegssong "Little Puppet", der mal wieder so schrecklich aktuell ist. Er handelt von dummen Jungs, die auf einmal Soldaten spielen und glauben, mit einer Waffe in der Hand erwachsen zu sein – und im nächsten Moment sind sie nicht mehr nur dumm, sondern auch noch tot. Der Song bildete den Schlusspunkt eines großartigen Konzertabends. Hört auf den "Good Guy" mit der E-Gitarre!
 


www.nick-woodland.de

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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