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Vom Verlieren und Entdecken: „Der Murr“ mit Margrit Gysin im bosco

Murr mag: etwas Leckeres, etwas entdecken, ein Abenteuer. Murr mag nicht: schlafen. Das erkennt man schon daran, dass er falsch herum im Bett liegt. Und wo er nun schon mal falsch herum liegt, kann er sich gleich auf die Suche machen. Nach etwas Leckerem. Doch überall: nichts. Aber alles kommt von etwas, hat der Spatz gesagt. Und das Eichhorn weiß, dass irgendwo der große Honig sein muss. Nun hat der Murr bisher noch nichts entdeckt. Und so macht er sich auf, den großen Honig zu suchen. Immer weiter geht er, mitten durch die Nacht bis in die Wüste und weiter. Nicht den Mut verlieren, raten ihm die anderen. Genau das tut er: nicht den Mut verlieren. Bis er am Ende etwas Großes findet.

Es sind die ganz großen Themen, die Margrit Gysin in „Der Murr“ anspricht: das Nichts, das Etwas, die Ursache und die Wirkung, und wie sich der Einzelne diesen Phänomenen gegenüber behaupten kann. Keine einfachen Themen für Kindergartenkinder, und dennoch sind es genau die Themen, die den Kleinen täglich begegnen und die sie beschäftigen. Ich und Welt: woher komme ich, was war vor mir da, denke ich mir alles aus oder gibt es das wirklich und was heißt überhaupt Wirklichkeit? Kinder philosophieren, ohne das Wort zu kennen. Und gutes Kindertheater kann ihnen dabei helfen, die Welt und ihre Fragen besser zu verstehen.

Wenn der Murr über Margrit Gysins rote, bewegliche Puppen(-haus-)bühne saust, wenn er – ein kleiner Kerl in einem plüschigen Maurice-Sendak-Nachtoverall – seinen nächtlichen Weggefährten im Kuscheltierformat unterwegs begegnet, dann ist das eine vertraute Welt im Fremden: als ob beim nächtlichen Erwachen die Requisiten des Alltags sich in etwas Unbekanntes verwandeln und doch in dieser Verwandlung noch erkennbar bleiben, vertraut und unheimlich zugleich. So wird schon das Spiel selber zum „Als ob“, zum kritischen Umgang mit der sogenannten Wirklichkeit. Kinder tun dies jeden Tag. Hier im Theater erleben sie, welche Macht die Phantasie besitzt. Und gemeinsam mit dem Murr gehen sie auf Entdeckungsreise, mitten hinein in das Phantasiereich, auf der Suche nach etwas Leckerem – nach dem Urstoff der Sehnsucht. Zwei Dinge sind hierfür nötig: Mut und Herzenswärme. Murr besitzt beides. Darum wird ihm am Ende der Honig geschenkt und mit diesem die Kraft, einschlafen zu können.
 
Eigentlich ist Margrit Gysins Puppenspiel ein Erzähltheater. Sie setzt auf die Kraft des Erzählens. Ihre Szenen sind fortgesetzte Sprache, sie illustrieren weniger als dass sie weitererzählen. Es ist ein elementares, sehr direktes Erzählen. Und dennoch lassen sich gerade auf diese Weise die großen Themen anpacken, indem die Theatermacherin zielgenau in die kindliche Vorstellungskraft hinein trifft. So entsteht der geheimnisvolle Zauber, der über all ihren Produktionen liegt. Und wenn der kleine Murr am Ende selig einschläft, unter der blauen Decke und die Rosen darauf richtig herum wie er selber, dann ist die Welt für all seine kleinen Zuschauer wieder ein bisschen vertrauter geworden – nach geheimnisvoller, spannender Reise durch die Nacht.
 


www.figurentheater-margrit-gysin.ch

Über den Autor

Sabine Zaplin (sz)

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