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nah – fern: Ein Bahnhof wie ein Buch

Ein großer bunter Büchertisch ist derzeit in der Schalterhalle des historischen Bahnhofs am See in Starnberg aufgebaut. Er darf allerdings nicht von Leseratten und von vorweihnachtlichen Schnäppchenjägern abgeräumt werden, sondern ist vielmehr eine Einladung zum Blättern, Schauen, Staunen: „Künstlerbücher“ heißt die aktuelle Ausstellung im Rahmen der Reihe „nah – fern“, die von Katharina Kreye, Ulrike Prusseit und Ursula Steglich-Schaupp kuratiert wird.

Auch diesmal beteiligen sich die von der Stadt Starnberg bestellten drei Kuratorinnen mit eigenen Arbeiten an der Ausstellung, zu der sie weitere vierzehn Künstler eingeladen haben. Längst ist hinter vorgehaltener Hand ein gewisser Unmut über diese Verquickung der Ämter zu hören, die den drei Künstlerinnen bereits im zweiten Jahr ein sozusagen privates Ausstellungsforum ermöglicht, während viele andere unter dem Nicht-Vorhandensein von Ausstellungsräumen in der Kreisstadt leiden. Man kann sich aber auch diesmal einfach über die Vielfalt der Ausstellung und die üppige Pracht der Künstlerbücher freuen: Ihre große Bandbreite beginnt mit Büchlein und Zettelsammlungen, die der Ideenfindung oder der künstlerischen Etüde dienen, so etwa die schwarzen Moleskine-Notizbücher, von denen Sebastiano Tramontana, eigentlich Jazzmusiker, einen ganzen Stapel präsentiert, einige davon als Leporello aufgefaltet, mit Skizzen von tagebuchartiger, unprätentiöser Flüchtigkeit. Und sie endet mit einem ganz groß aufgefächerten Buch, einer Buchstabenhaut, in die der Künstler Johannes Reihl mit seiner Lichtinstallation am Vernissagenabend das Bahnhofsgebäude gehüllt hat.

Die Bücher der Fotokünstlerin Katharina Gaenssler dokumentieren ihre aus einer Vielzahl von einzelnen Aufnahmen bestehenden Installationen. In Starnberg zeigt sie „Buchsee“, eine in der Buchform extrem verfremdende Abfolge von 360 Detailfotografien. Ruth Mairgünther präsentiert ihre ungemein subtilen Zeichnungen in einem fein und zurückhaltend gestalteten Buch zusammen mit einem – ebenfalls feinen und zurückhaltenden – Gedicht von Inger Christensen. Auch der Lyriker und Verleger Anton G. Leitner zeigt ein besonders schön aufgemachtes Buch mit eigenen Gedichten. Künstlerbücher sind aber auch Arbeiten, bei denen das Buch zum Objekt wird: Dazu gehören die „Unnützen Bücher“ von Dorothea Reese-Heim, die dicke Wälzer in Wachs eingießt und sie dann in Scheiben geschnitten präsentiert. Oder die beiden „verbotenen“ Bücher der bulgarischen Künstlerin Anastasiya Tonkova, die zwei von ihr so bezeichnete „Kitschromane“ der Zensur unterworfen und sie mit einer Art Keuschheitsgürtel gesichert hat: Die vermeintlich verbotene Literatur ist fest mit einer Metallhülle verschlossen und vielfach zugenagelt.

Weitere Arbeiten sind die Klappflügelbücher der Weilheimer Künstlerin Beate Oehmann, die Bücher der Kunstpädagogin Gabriele Boulanger, die aus Übermalungen von Werbebroschüren entstandenen Bücher von Anke Ehlers, die liebevoll gestalteten Buchobjekte von Rosemarie Zacher und die tagebuchartigen Aufzeichnungen von Elisabeth Süß-Schwend. Katharina Kreye zeigt diesmal ihre Fotodokumentation „Besondere Orte“ in Buchform, Ulrike Prusseit legt noch einmal ihr 2010 entstandenes, aufwendig gestaltetes Reisetagebuch über „heilige“ Quellen in Bayern vor und Ursula Steglich-Schaupp präsentiert eine ganze Reihe von Buchprojekten, in denen sie Zeit, Erlebnisse, Reisen, manchmal auch Banalitäten einfängt.

Die Lichtinstallation von Johannes Reihl zur Ausstellung „Künstlerbücher“ ist noch einmal am 12.12. 2014 zu sehen, während um 19 Uhr Sabien Zaplin und Anton G. Leitner „Lyrisch Pikantes“ lesen und Stefanie Böhm musiziert. Die Finissage findet am 21.12.2014 ab 16 Uhr statt.

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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