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Zum Tee bei Sabine: Marc Schürhoff

Wieder ein Gautinger, der nach Wanderjahren an den "Ort der Tat" zurückgekehrt ist: Marc Schürhoff, seit einem Jahr Luitgard Kirchheims Nachfolger in der Buchhandlung Kirchheim. Schürhoff besuchte einst die Gautinger Grundschule und ging aufs Otto-von-Taube-Gymnasium, später aufs Kurt-Huber-Gymnasium, wo er Abitur machte. Schon als Jugendlicher und Bücher-Kunde war er "zum Kirchheim" gegangen – nun hat er diese Institution übernommen.

"Ich war erst Fußballer. Mein Interesse am Lesen hat eigentlich erst in der Pubertät angefangen – mit einer hübschen Teenagerin, die wahnsinnig viel las," verrät Schürhoff dem Tee-Publikum in der "Bar rosso", "wenn man da landen wollte, musste man wenigstens die Autoren kennen". Doch außer solch "pragmatischen" Motiven sollten für den gebürtigen Stuttgarter Bücher auch dank anderer Voraussetzungen zum Lebensthema werden: Schürhoff studierte an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München zunächst Germanistik, Politische Wissenschaft und Geschichte, und weil man als armer Student der Geisteswissenschaften in jenen Jahren bei der renommierten Schwabinger Buchhandlung "Lehmkuhl" jobben konnte, wurden seine Affinität zum Buch und seine Freude an der kommunikativen Tätigkeit in einer Buchhandlung bald so sehr zur Leidenschaft, dass Schürhoff auf das Angebot einer Lehrstelle und eines Praktikums beim Hanser-Verlag hin sogar sein Studium und gewisse Träume vom Journalisten-Beruf dran gab – er hatte seine Sache bei "Lehmkuhl" offenbar so gut gemacht, dass er bald die Abteilungsleitung für Politik, Geschichte und Kunst übernahm. "Mir hat das Praktische dieses Berufs sehr viel Spaß gemacht" – damit deutet Schürhoff an, dass er damals wohl einen Ausgleich zur geisteswissenschaftlichen Theorie suchte.

Nach etwa acht Jahren bei "Lehmkuhl" hatte er dennoch das Gefühl, einmal über den gewohnten Münchner Tellerrand hinaus blicken zu müssen: Schürhoff bewarb sich 2001 für die zur Eröffnung des Jüdischen Museums Berlin gerade ausgeschriebene Position des Leiters im Museumsladen: "Habe dabei hochinteressante Menschen kennenlernen dürfen," erinnert sich der Gautinger, "aber Postkarten, Radiergummis und Bleistifte zu verkaufen, das war mir auf Dauer dann doch zu wenig Kommunikation". Das Angebot, wieder bei "Lehmkuhl" arbeiten zu können, kam da gerade recht: Der in München noch immer sehr geschätzte Schürhoff erhielt in der mittlerweile verkauften Buchhandlung eine verantwortungsvolle Aufgabe in abermals leitender Stellung und hatte wohl auch so etwas wie seine Lebensbestimmung gefunden: "Für mich ist eine Buchhandlung nicht nur ein Ort, wo man Bücher kauft – sie ist ein Begegnungsort, eine Kulturinstitution". Das sind Worte, die Schürhoffs Leidenschaft fürs Buch und dessen kommunikative Betreuung umschreiben und ihn letztlich auch beruflich wieder nach Gauting führen sollten: Luitgard Kirchheim, mit ihrer Buchhandlung an der Bahnhofstraße selbst seit Jahrzehnten eine kulturelle Institution in der Würmtal-Gemeinde, hatte bei einer Nachfolge-Regelung offenbar schon länger an Schürhoff gedacht: "Es war beidseitig ein langer Prozess – sie hatte die Idee, aber noch lange nicht den Willen", schildert Marc Schürhoff das Aufeinander-zu-Bewegen, das nur allmähliche Loslassen-Können Kirchheims.

Doch im Herbst 2013 war es dann offiziell so weit: Mit einem noch heute mit Lobeshymnen bedachten Einstandsfest am 5. Oktober wurde die Geschäftsübergabe offiziell – und den Gautingern fiel ein Stein vom Herzen, wussten sie doch "ihren Kirchheim" bei Schürhoff in guten Händen. Luitgard Kirchheim steht ihm bis heute noch mit Rat und Rat zur Seite, so etwa 15 Stunden die Woche. Tee-Gastgeberin Sabine Zaplin fragte den Gauting-Rückkehrer natürlich nach seinen persönlichen Vorlieben, wenn es um Bücher geht: Der Leser Schürhoff nennt etliche amerikanische Autoren wie De Lillo und Philip Roth, aber auch Thomas Mann, Max Frisch. Vladimir Nabokov. Der Buchhändler sagt, ihm lägen jenseits der Bestseller die kleinen Verlage besonders am Herzen, jene "wunderbaren Bücher, die eigentlich überhaupt keine Chance haben, wahrgenommen zu werden." Aktuell begeistert ihn der neue Erzählband von Karin Köhler, die demnächst bei ihm zur Lesung kommt. Amazon, der Moloch? Beunruhigt Schürhoff nur bedingt – auch bei ihm kann man online bestellen: "Natürlich versuchen die durch ihre schiere Marktgröße, Verlage zu erpressen", sagt der Buchhändler, aber ebenso glaubt er daran, "durch noch intensivere Kommunikation" mit der Laden-Kundschaft die Vorzüge des persönlichen Gesprächs rund ums gute Buch in die Waagschale zu werfen. Als neues Konzept hat er auch eine Art "Literarisches Quartett" eingeführt, bei dem die Mitarbeiter ihre Fachkompetenz einbringen und eigene Lieblingsautoren empfehlen können: "Nur ohne Reich-Ranicki halt." Schürhoff glaubt fest daran, dass trotz E-Book-Readern und Kindle das haptische Erlebnis des Buchs überleben wird: "Auch die technikbegeisterten jungen Leute kommen wieder, wenn sie 25 sind", hat er beobachtet. "Denken Sie an Ihre soziale Aufgabe!", wünscht sich eine Besucherin des Tee-Gesprächs. Genau das verspricht er: Auch wenn er weiß, dass zu Beispiel Autoren-Lesungen meist ein Minus-Geschäft bedeuten – Schürhoff ist genau der richtige Mann, eine Gautinger Institution wie "Kirchheim" in die Zukunft zu führen. Seine treuen Bücher-Kunden müssen ihn dabei nur unterstützen.

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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