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Birte Pröttel: Ein Buch für Enkel und Urenkel

In ein paar Jahren wird es keine Großmütter mehr geben, die bei Erbsensuppe an das Grauen des Krieges und die Verpflegung in einem Flüchtlingslager denken. Die einmal benütztes Geschenkpapier und Bänder bügeln und niemals ein Stück Brot wegwerfen würden. Birte Pröttel aus Berg ist eine dieser Großmütter. Sie gehört der „Nachkriegsgeneration“ an, die eigentlich eine Generation von in den Kriegsjahren geborenen Kindern ist – wenn sie nicht mehr sind, wird sich niemand mehr an den Krieg und die Zeit danach erinnern. Jetzt hat sie ein Buch für ihre Enkel und Urenkel geschrieben. 

Birte Pröttel, dreifache Mutter und fünffache Großmutter, ausgebildete Redakteurin und Autorin zahlreicher Kinder-, Sach- und Drehbücher, hat ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben: „Hau ab! Flüchtlingskind!“ heißt das Buch, das sich aus sehr persönlichen Rückblenden, in der Familie überlieferten Erzählungen und Erinnerungsfragmenten zusammensetzt, aus alten Fotografien und den Briefen, die der Vater aus Krieg und Gefangenschaft schickte. Auslöser für dieses Erinnerungsbuch waren die Enkelkinder, die es liebten, sich am Sonntagmorgen von ihrer Oma „Geschichten von früher“ erzählen zu lassen.

Diese Geschichten, so schreibt Birte Pröttel, seien Berichte von „einer fast unbeschwerten, glücklichen Kindheit mitten in Schutt und Asche, Bomben, Hunger, Internierungslager und der Armut und Not der Erwachsenen“. Ihre Lebensgeschichte sei aber auch „eine Geschichte der Scham, Flüchtling, Habenichts zu sein“. Sie erzählt aus der Perspektive des Kindes, alles Politische und überhaupt alles über ihren persönlichen Erfahrungshorizont von damals Hinausreichende bleibt außen vor. Und sie erzählt so, wie es das kollektive Erinnern der Nachkriegszeit erforderte. Und gerade deshalb hat dieses Buch auch als Zeitzeugnis Gültigkeit. Darüber hinaus aber geht es, so der Klappentext, „um die Gefühle des Flüchtlingskindes, Außenseiter, Fremde zu sein“. Und: „Es geht um die Gefühle aller Heimatvertriebenen dieser Erde.“ Damit sind nicht nur die der Vergangenheit, sondern auch die der Gegenwart gemeint. Und insofern ist das Buch natürlich doch auch politisch gemeint.

Birte Pröttel wurde 1940 in Stettin geboren. Ihr Vater zog als Fernmeldegefreiter bereits im August 1939 in den bevorstehenden Krieg, unter dem Arm einen Gartenstuhl – wie das Abschiedsfoto beweist. Ausgebombt im Jahr 1942 fand die Mutter mit drei kleinen Kindern Unterschlupf auf dem Gut von Verwandten in Hinterpommern, dort kam 1945 ein viertes Kind zur Welt. Es folgten die Flucht nach Dänemark und schließlich in ein Dorf im Schwarzwald. Aus dem Flüchtlingslager schreibt die kleine Birte 1946 dem Vater in der Gefangenschaft: „fati lier fati ich wil tir zu Weinachten einen schönen Brif schreiben. Wigestir? Känstumichnoch?“

Ein Buch, das nicht nur eine einzige Großmutter, sondern eine ganze Generation lebendig erhalten wird.

 


"Hau ab! Flüchtlingskind" ist im Epubli-Verlag erschienen. 

 

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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