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Ludwig Seuss: Downhill Sessions Part II

Wenn Ludwig Seuss und seine Spielkameraden im Bosco antreten, dauert es etwa drei, vier Stücke, bis das Publikum bildlich gesprochen "die Krawatten gelockert hat" und Seuss selbst das Jackett ablegt. Diesmal sollte ja eigentlich der zweite Teil der jüngst eingespielten "Downhill Sessions" live vorgestellt werden, aber schon der Rückgriff auf einige bekannte Klassiker zu Beginn genügte vollauf, um die Leute auf Betriebstemperatur zu bringen.

Der Gautinger hat ein untrügliches Gespür für die richtige Mischung und Abfolge der Blues-, Boogie-, Cajun-Nummern, die er serviert. Und er hat die Gabe des Teamplayers, der sein eigenes immenses Können auch mal hintanstehen lässt, wenn die nicht minder großartigen Kollegen ihre Glanz-Momente haben: Da wäre zum Beispiel sein alter Weggefährte Titus Vollmer, der einige Blues-Stücke spielt, als zupfe er an den Saiten seiner Seele und nicht an einer Gitarre. Oder Thilo Kreitmeier, der Saxophonist, der seit zwei Jahrzehnten an Seuss' Seite auf den Punkt genau die explosive Kraft einbringt, die Seuss/Vollmer als Gegengewicht unbedingt brauchen. In solchen Momenten ist zu beobachten, wie das furiose Piano (Seuss) sogar ein Stück weit "Kompromisse macht", weil auf der andere Seite der Bühne ordentlich Gegenwind entfacht wird – wie gesagt, Ludwig Seuss ist der denkbar respektvollste Bandleader, auch weil er so starke musikalische Persönlichkeiten neben sich weiß. Von den "Downhill Sessions Part II" mitgebracht hatte er nicht nur Peter Kraus als einen seiner etatmäßigen Drummer ("Ist gerade Papa geworden und hat heute Ausgang") sowie Kontrabassist Tom Peschel (seit zwölf Jahren mit von der Partie), sondern auch "Dr. Will", einen kernigen Typen mit umgehängtem Dashboard samt Löffeln zur "Metallverarbeitung": Dieser "Doc" wirkte wie pure Medizin und entlastete Seuss bei den Leadvocals entscheidend, wobei er den Eindruck machte, als ob er gerade erst als Südstaaten-Gentleman den Mississippi mit dem Schaufelraddampfer absolviert hatte: Kräftige Stimme, melonenartiger Hut, Menjou-Bärtchen auf der Oberlippe. Prompt packte Seuss noch das Akkordeon für einen Zydeko-Abstecher nach Louisiana aus. Die Tische in den vorderen Bosco-Reihen wackelten jetzt bedenklich, zumal gleich drauf auch noch eine spezielle Version von "See You Later, Alligator" nachgeschoben wurde.

Doch nicht vergessen werden soll jene Perle von einem romantischen Stück, die Seuss und seine Mannen schon beim letzten "Heimspiel" im Bosco kredenzt hatten: "Till The Moon Is Full Again" – eine wunderbar ausbalancierte Sehnsuchtsballade, bei der vom Wiedersehen mit einem geliebten Menschen geträumt werden darf. So etwas kann nur Ludwig Seuss bringen, nachdem er gerade erst einen wilden, provozierenden Boogie-Ritt hingelegt hat. Der ganze, musikalisch unerschöpfliche Reichtum des vibrierenden Südens, wie an einem einzigen Abend ausgebreitet, mit all seinen übermütigen Rasereien und seiner tiefschwarzen Düsternis – doch die restlos begeisterten Fans ahnen es schon: Von den Seuss‘schen Forschungsreisen muss noch mehr im Gepäck sein...
 


 Zur CD-Kritik im Blog der Kulturwelle5: "Downhill Sessions Part II"

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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