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Lyrische Jahre: Neuer Gedichtband von Renate Schön

Wenn eine ehemalige Zahnärztin sich lyrisch mit der Gegenwart auseinandersetzt, liegen die Analogien nahe: hier wird der Zeit auf den Zahn gefühlt, das Übel mit der Wurzel ausgerissen und auch mal kräftig zugebissen. All diese Vergleich lässt Renate Schön selbstverständlich aus. Die Herrschinger Lyrikerin, die bereits seit 1986 Gedichtbände veröffentlicht, widmet sich in ihrem neuen Band „Schwebebalken der Phantasie“  unter anderem der Lebensphase des Alters.

„Der Himmel steckte im Trauerkleid./Regen prasselte auf das Vordach, auch die/Stimmung wurde faltig – wie mein Gesicht“ lautet die erste Strophe von „Eine Handvoll Erinnerung“. Es sind verdichtete Lebensgeschichten, die von der 1931 in Wertingen (Schwaben) geborenen Lyrikerin mit den Mitteln von Versmaß und Rhythmus abgeklopft werden. Dabei kommt ihr der Blick der Medizinerin zugute: Renate Schön schaut hinter die offensichtlichen Symptome, sucht nach den Ursachen, ohne bereits einen Therapieplan im Kopf zu haben. „Erinnere/dich, wie unser Weltbild fortgerissen wurde,/als ein Sturm in diese Blätterschindeln/fuhr und alle Träume mit sich nahm.“

Es ist ein Blick zurück und zugleich in die Zukunft, den Renate Schön in ihrem jüngsten Gedichtband unternimmt. „Im Schlepptau der Sonne“ durchkreuzt sie die Weltmeere und entdeckt bei einer „Tauchfahrt durch Nacht und Morgen“ den Motor, der für den Kreislauf des Lebens verantwortlich ist. Themen wie Vergänglichkeit, gelebtes Leben, aber auch die Phasen einer Liebesbeziehung sind in „Schwebebalken der Phantasie“ vertreten. In jedem Winter stecken die deutlichen Hinweise auf einen nahenden Frühling, und wenn die eigene Endlichkeit allzu unerträglich wird, dann stellt Renate Schön einfach mal die Uhren zurück und begibt sich zur „Heiterkeit des Anfangs“.

Renate Schöns Gedichte sind in freien Versen geschrieben, die Sprache besitzt eine Nähe zur Prosa, zum Erzählerischen. Kryptisches, Verrätseltes liegt Renate Schön fern. Das macht ihre Gedichtbände auch für „Lyrikanfänger“ gut lesbar. Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durchzieht, ist das Thema „Jahreskreislauf“. In bester Naturlyriktradition besingt die Herrschingerin den Wechsel der Jahreszeiten und gewinnt den Beobachtungen immer wieder atmosphärisch dichte Momente ab:

„DEM WINTER ZU//Ein Dorf – ein Storch:/eine Wegstrecke, die sich änderte.//Amseln besiedelten Pfähle, zitterten sich schwarz vor dem Winter.//Auf Bergspitzen lastete Schnee, Kies lag zerstreut über Straßen.//Ein Windstoß fegte durchs Gehöft,/verfing sich im Nachhall der Schritte.//Walnussbäume verschenkten ihre/Früchte als Glücksdrogen.//Am Wegrand ein rotes Sofa,/von Hund und Katz okkupiert.//Und ein greiser Drehorgelspieler/widmete sein ausgeleiertes Lied//der Weihnacht.“

Renate Schöns neuer Gedichtband „Schwebebalken der Phantasie“ ist in der Reihe „Poesie 21“ im Verlag Steinmeier erschienen.

Über den Autor

Sabine Zaplin (sz)

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