100 Jahre Stadt Starnberg im Kino beim FSFF

Starnberg im Sommer 1957. Toni Sailer, dreifacher Ski-Olympiasieger von 1956 steht in der Münchner Straße an einer Tankstelle, die es längst nicht mehr gibt und jobbt als Tankwart, als Christine, Tochter aus adligem Hause, die im Schloss in Höhenrain residiert, mit ihrem Wagen anhält. Es funkt zwischen den beiden und das, obwohl Christine längst einem anderen versprochen ist. Irrungen und Wirrungen also in dieser herrlichen Schmonzette „Ein Stück vom Himmel“, die 1957 am Starnberger See gedreht wurde und mit der Toni Sailer zum Filmstar avancierte. Der Film von Rudolf Jugert wurde in nur 31 Tagen abgedreht, 28 Tage davon im Freien. Wer sich also für historische Aufnahmen von Starnberg und dem Starnberger See interessiert, der wird bei diesem Streifen, der beim FünfSeenFilmFestival in der Reihe „100 Jahre Starnberg im Kino“ gezeigt wird, voll auf seine Kosten kommen.

Barbara Winkler vom Festivalteam hat der Stadt mit ihrem Ritt durch 100 Jahre Filmgeschichte in Starnberg ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk zum 100. Stadtjubiläum gemacht. So werden zwei Stummfilmklassiker aus den 1920er Jahren gezeigt. Neben „Der Golem“ von Paul Wegener, der mit Starnbergs Vorzeigedichter Gustav Meyrink und seinem „Golem-Epos“ den Stoff gemeinsam hat, wird „Ludwig II oder das Schweigen am Starnberger See“ von Rolf Raffé zu sehen sein. Es ist einer der ersten Filme über den Bayernkönig, der als „Filmkönig“ die Regisseure bis heute beflügelt. Während Raffé den Focus auf den Konflikt der Familie und den Bösewicht Wagner richtete, ist in Luchinos Viscontis Ludwigverfilmung, die bekanntlich mit vielen Feldafingern an Originalschauplätzen gedreht wurde,  Ludwig II. als leidender Einzelgänger, „der lieber mit der Kunst als mit der Politik regieren wollte“ porträtiert. Die Jahrzehnte zwischen 1920 und 1980 sind mit „Ein Stück vom Himmel“ aus dem Jahr 1957, mit Rudolf Thomes „Rote Sonne“ mit Uschi Obermeier von 1969 und mit Achterbuschs „Andechser Gefühl“ von 1974 abgedeckt. Wochenschauen und Kurzfilme aus den 1940er Jahren runden das Ganze ab. Die Reihe mündet in einen Ausblick auf einen Film, der im letzten Jahr beim Filmfest seinen Anfang nahm und nun seine Welturaufführung erlebt. Der Titel der Sneak Preview  darf nicht verraten werden. Nur so viel: Der bekannte bayerische Regisseur lernte letztes Jahr auf dem FSFF seine Hauptdarstellerin kennen.

Die Termine sind unter www.fsff.de zu finden.

Dieser (hierfür gekürzte) Artikel erschien am 20. Juli im Starnberger Merkur

 

Über den Autor

Astrid Amelungse-Kurth

Astrid Amelungse-Kurth (aak)

freie Journalistin mit Schwerpunkt Kunst, Kultur, Historisches, Tradition und Vermischtes

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