Für den einen ist „Wertstoff“ einfach alles, was ihm wertvoll ist. Für den anderen ist es ganz konkret das, was andere weggeworfen haben und was man zu Kunst recyclen kann.
Auch im 26. Jahr haben die Künstler zwischen Berg und Icking heftig darum gerungen, unter welchem Motto sie in diesem Herbst ihre Ateliertüren für interessierte Besucher öffnen wollen. Geeinigt haben sie sich schließlich auf ein Thema, das viele Interpretationsmöglichkeiten zulässt. Ihre gemeinsame Edition jedenfalls ist „Wertstoff“ im besten Sinn, denn sie haben dafür die Dachschindeln des Allmannshauser Feuerwehrhauses wiederverwendet.
Christiane Leimklef steht in ihrem kleinen Ausstellungsraum in Ebenhausen und sagt: „Hier ist eigentlich alles Wertstoff.“ Zu kunstvollen Objekten werden bei ihr verrostete Türschlösser, zerbrochenes Porzellan und sogar die geschmolzenen Aluminiumteile aus einem ausgebrannten Auto. Eigens für die Ateliertage sind drei Objektkästen entstanden, die sie mit am Strand gefundenen Plastikteilen bestückt hat. Eine milchigweiße Farbschicht gibt den drei Miniaturbühnen, die von „King Kong“, „Alice im Wunderland“ und einer „Hommage à Tanguely“ erzählen, eine eigenwillige Ästhetik.
Auch Dazze Kammerl aus Farchach war als „Sachenfinder“ unterwegs: Aus einer Styroporverpackung, vier CD-Rohlingen, zwei Pappbechern, Plastiktüten, Alufolie, Gummihandschuhen und allerlei Tand hat er ein „Wertstoffwesen“ gebastelt. Dass er ihm einem modernen Golem gleich auch eine Seele eingehaucht hat und das Wesen seither auf Youtube ein Eigenleben führt, damit hat er wohl nicht gerechnet.
Dazze’s Video auf Youtube
Spielerisch haben sich auch andere Künstler dem Thema angenähert: Hans Panschar hat mit Hilfe eines Betonmischers aus dem Sandkasten „Urbane Skulpturen“ errichtet und Gerdi Herz hat mit dem ihr eigenen Sinn für Humor Gefundenes und scheinbar Wertloses zu poetischen Assemblagen und Objekten arrangiert.
Juschi Bannaskis „Wertstoffe“ sind nach wie vor die Farben, die sie zuweilen ganz unverhofft und an höchst ungewöhnlichen Orten findet. Ihre aktuellen Bilder sind meist ungegenständliche Farb- und Lichterinnerungen. „Viele, aber nicht alle“ lautet ein Bildtitel, und vielleicht sind damit die vertretenen Farben gemeint. „Das Schlimmste beim Malen ist der eigene Gestaltungswille“, sagt die Malerin. Die Hinterglasmalerei hat sie in jüngster Zeit für sich als Verfahren gefunden, um ihre „eigene Geschicklichkeit zu überlisten“: Während des Entstehungsprozesses eines Bildes müsse man den „Zustand eines schlechten Bildes aushalten können“, das sei, so sagt sie, „fast wie ein körperlicher Schmerz“.
Roman Wörndl zeigt im Atelier von Juschi Bannaski in Aufkirchen die Videoarbeit „Westwind“, die während eines Arbeitsaufenthaltes in Indonesien entstanden ist: Auf ein muslimisches Kopftuch hat er den Artikel 3 des Grundgesetzes sticken lassen, im Schatten eines Baumes tanzt „Die Freiheit des Glaubens…“ im „Westwind“ und zum Klang des Muezzinrufes.
Andreas Huber, der als Gast im Atelier von Juschi Bannaski ausstellt, hat den prosaischen Satz eines Nachbarn „Da gehst Du also in den Wald und fotografierst was“ gleich zum Titel einer Serie von extrem reduzierten Schwarz-Weißaufnahmen gemacht, die sich mit den vier Elementen befassen: eine Wasserfläche, ein bewölkter Himmel, eine Wiese und ein verbrannter Wald, ohne Inszenierung und ohne Pathos.
Lucie Plaschka zeigt in ihrem Atelier in Aufkirchen neue Bilder und Objekte, Hannelore Jüterbock in Allmannshausen Malerei auf Glas. Petra Jakob in Irschenhausen hat unter dem Titel „business as usual“ eine Serie von gesichtslosen Anzugträgern gemalt. Sophia Hössle und Gabriel Baumüller öffnen ebenfalls in Aufhausen ihre Ateliertüren, Rüdiger Mertsch ist ihr Gast. Birgit Berends-Wöhrl und Teresa Erhart stellen zusammen im Fides-Gebäude in Aufhausen aus. Ines Voelchert ist mit ihren Bildern zu Gast bei Lucie Plaschka, Sissi Edler stellt bei Gerdi Herz in Ebenhausen aus und Andreas Ammer bei Hans Panschar in Allmannshausen.
Ateliertage No. 26, Berg/Icking, 6./7. und 13./14. Oktober 2012,
Samstag 14 bis 19 Uhr, Sonntag 11 bis 19 Uhr
Erste Eindrücke von den Ateliertagen finden Sie auch unter BILDER
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