Ein Känguru mit Stöckelschuh

Ein Känguru mit Stöckelschuh – neue Gedichte für Kinder von Anton G. Leitner (Hg.), Verlag Sankt Michaelsbund

Kinder lieben Gedichte. „Was sich reimt, das stimmt“, sagt schon der Pumuckl, der Held der meisten Kinderzimmerregale. Und wenn ein Kobold das sagt, wird wohl etwas dran sein. Tatsächlich gibt gerade das Reimgefüge Kindern ein Gefühl von Sicherheit, und wenn der Rhythmus ein Gedicht strukturiert, sind die Grenzen der ersten kindlichen Literaturerfahrung gut abgesteckt.
Wer Glück hat, wächst mit einer Vielzahl von Fingerspielen auf, hört schon mal Freches von Ringelnatz oder Morgenstern, und mancherorts wird sogar noch die gute alte Tradition des Poesiealbums gepflegt. Gedichte für Kinder können aber durchaus auch von zeitgenössischen Dichterinnen und Dichtern stammen, denn auch gegenwärtig stellt die Lyrik als Ausdrucksmittel genügend „Futter“ für Heranwachsende zur Verfügung.

Ein Känguru/mitStöckelschuh/stolziert durch eine Wiese./Da fragt die Kuh/“Wer bist denn du?“/-„Man nennt mich Anneliese.“ So dichtet der in Unterschleißheim lebende Lyriker Wolfgang Oppler, Jahrgang 1956, und lässt sein herausgeputztes Känguru zu Grammophonklängen mit der Kuh tanzen, bis die Würmer kichern und der Vollmond in Begeisterungsrufe ausbricht. „Ein Känguru mit Stöckelschuh“, ist der Titel einer Anthologie, in der der Wesslinger Lyrikverleger Anton G. Leitner Gedichte zeitgenössischer Lyriker versammelt, die diese eigens und zum Teil in diesem Buch exklusiv für Kinder geschrieben haben.

„Für einen Schriftsteller gibt es keine reizvollere Aufgabe, als für Kinder zu dichten“, sagt Leitner, „wer Verse für kleine Leser schreibt, wird dabei selber wieder jung und hat die Lizenz, schreibend die Welt auf den Kopf zu stellen.“ Diese Chance ergreift eine sehr illustre Schar an Dichtern, von SAID über Franzobel bis zu Fitzgerald Kusz sind eine große Zahl namhafter Lyriker in dem Buch vertreten, um die Welt mal gereimt, mal in freien Versen auf den Kopf zu stellen. Dass es sich dabei in erster Linie um die Welt der jungen Leser handelt, versteht sich eigentlich von selbst.
So dichtet Harald Grill vom „klecks/im nigelnagelneuen heft“, der erst zum Ärgernis auf der so tintenbefleckten Seite wird und der sich dann mit ein paar Federstrichen in einen blauen Igel verwandelt, der nicht mehr aus dem Heft herausgerissen werden kann. Vom Markenzwang und teuren Klamotten erzählt Matthias Koeppel in seinem Gedicht „Latschen“, das zu einem Loblied auf den eigenen Stil wird: „Glaubt mal nicht, dass ich mich schäme;/meine „Latschen“ sind bequeme/ganz solide Alltags-Schuhe,/passen gut – lasst mich in Ruhe!“
Und der 1953 im Libanon geborene Suleman Taufiq beschwört in seinem Gedicht „alte freundschaft“ in bester morgenländischer Lyriktradition den Mond als Sehnsuchtsort der Dichter: „als ich den mond zum ersten mal sah/fragte ich meine mutter/was ist das für ein gespenst/das die dunkelheit und die stille der nachtstört/hab keine angst mein kind/sagte meine mutter/das ist der reisende dichter am himmel/er sucht nach einem haus wo er schlafen kann/seitdem ist der mond mein freund“. Illustriert ist das im Bilderbuchformat erschienene „Känguru“ übrigens von der renomierten Kinderbuchillustratorin Heidrun Boddin, die mit weichen Formen und kräftigen Farben in einen frechen Dialog mit den Gedichten tritt und dem Buch ein schönes Angebot fürs Auge hinzufügt.

„Ein Känguru mit Stöckelschuh“ wird sich in die Herzen von Kindern hineintanzen und vielleicht dafür sorgen, dass mancher junge Leser sich seinen eigenen Reim auf die manchmal so verwirrende Gegenwart macht.

Über den Autor

Sabine Zaplin

Sabine Zaplin (sza)

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