Am vergangenen Wochenende haben die Reismühlen-Künstler wie jedes Jahr im Juli ihre Türen für Besucher geöffnet und bei den „Ateliertagen“ die Arbeiten des zurückliegenden Jahres präsentiert. Und wie jedes Jahr gab es Altbewährtes ebenso wie überraschend Neues zu sehen: noch verrücktere Spazierstock-Objekte von Nana Kovàts-Tatum und verschleierte Frauen bei Veronika Zacharias. Dreidimensionale Strichmännchen beim frischgebackenen Klinge-Preisträger Ulrich und überbordende Blumenpracht bei Else Streifer-Schröck. Silberschmuck bei Veronika Klaus und Druckgrafik bei Stefan Feigl – nur sechs von 32 künstlerischen Positionen, die das breite Spektrum der Ateliergemeinschaft in der Gautinger Reismühle bilden.
Text und Bild bedingen einander in den neuen Arbeiten von Gudrun von Rimscha: großformatige Bildtafeln, mit denen die Künstlerin mal mehr und mal weniger verschlüsselt das Zeitgeschehen kommentiert: Gedichte oder literarische Texte, Symbole und Zeichen, Fotografien und Fundstücke werden mit gestischer Malerei zu geheimnisvollen und tiefgründigen Kompositionen verwoben.
Vom Alter scheinbar völlig unberührt erscheinen die Bilder der 95jährigen Erika Pusch, die immer noch beinahe täglich in ihr Atelier kommt, um „mit Farben und Formen zu spielen“, wie sie selbst es formuliert. Und folgerichtig haben ihre meist ungegenständlichen Bildwelten etwas Spielerisches, etwas Leichtes und etwas beneidenswert Freies, Nicht-Kopflastiges: Überraschend ist auch ihr jüngstes Bild, auf dem sich im Grenzland des Konkreten Tore und Durchgänge öffnen.
Seit Jahren beschäftigt sich die Keramikerin Jutta Körner mit dem Thema „Stier“. Mal archaisch vereinfacht, mal männlich auftrumpfend dient ihr die bullige Körperform als Ausgangspunkt für reduzierte Plastiken, die durch ihre Schlichtheit und vor allem durch die meisterhafte Bearbeitung der Oberflächen bestechen.
Überraschendes gab es diesmal bei Elke Gröbler zu entdecken: Ihre jüngsten Arbeiten setzen sich aus strengen geometrische Formen zusammen, die in die Dreidimensionalität wuchern und die Bildränder gleichsam sprengen. Und tatsächlich hat die Künstlerin auch begonnen, aus Metallplatten plastische Objekte zu formen, die das kleine Atelier bereits verlassen haben und sich vor dem Haus und auf der Wiese tummeln. Man darf gespannt sein auf das nächste Jahr!
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