Das kleine Format – es hat eigene Gesetze. Manche Künstler brauchen den Schwung der großen Bilder, um im kleinen Format zu bestehen, andere suchen bewusst die eng gesetzten Bildgrenzen, tauchen ins Detail ein, um sich zu befreien. Was das kleine Format bei den Reismühle-Künstler/innen auslöst, darüber kann man sich am kommenden Wochenende einen Eindruck verschaffen.
Das kleine Format beflügelt und bricht Schranken auf. Es ist, so sagen die Künstler, keine Herausforderung. Selbst für Elke Schreifer-Schröck nicht, die ja sonst im Riesenformat badet, wenn sie eimerweise Farben auf Riesenleinwände schüttet. Im kleinen Format erlebt man sie als Aquarellmalerin, die Landschaften, Reiseimpressionen, Blumen locker und leicht zu Papier bringt oder aus ihren Schütt-Bildern solche Bildausschnitte herausfiltert, die besonders intensiv Dynamik erzeugen. Lina Sudholdt, die „Baumrindenmalerin“, wechselt immer wieder gerne mal ins Kleinflächige, wenn sie sich befreien will. Da sich ihre mit Pigmenten und Mehlen strukturierten Baumrinden nicht ins Kleine übertragen lassen, greift sie immer wieder zwischendurch in ihre Wunderkiste mit übermalten Postkarten. Abstrakte Schmuckstücke in intensiven Farbgebungen, die das Farbspektrum afrikanischer Baumrinden verdichten, bündeln und zu schillernden Farbjuwelen verschmelzen.
Marion Kausche, für die das kleine Format ohnehin die Regel ist, malt in Serien und springt bei der Arbeit – die Blätter liegen alle auf dem Boden aus - von einem Blatt zum anderen. Sie schichtet ihre wässrigen mit Pigmenten angereicherten Farben zu Farbtänzen übereinander, lässt lucide Klänge in Dialog treten. Dabei überlässt sie nichts dem Zufall. Andrea Kabisch, die im großen Format mit expressiv realistischen Bildern eher schwer und melancholisch auftritt, zeigt ihre heitere, leichte Seite mit kleinen Blumenbildern und Landschaften. Für Elke Niederreuther-Wilhelms ist das kleine Format die Tagebuchnotiz, die sie aus Österreich mitgebracht hat. Mystische Bilder mit starker Anziehungskraft, die den Betrachter in geheimnisvolle Welten eintauchen lassen. Brigitte Cabell zeigt einige abstrakte Kostbarkeiten und überzeugende Steinskulpturen, wie ihren Falken, den sie in Marmor geschlagen hat. Bleibt noch Gudrun von Rimscha, die sich selbst treu bleibt und existentielle Themen wie Kindkeit, Leben, Tod, poetisch und spirituell in Übereinstimmung von Form und Inhalt aufbereitet. Ihre Botschaften reifen in einem Kokon aus Wachs. Hahn im Korb ist Dietmar Klose, mit Plastiken aus Fundstücken. Passend zur Vorweihnachtszeit baut er aus Schrauben und Beilagscheiben, Eisenschrott und Nägeln Weihnachtskrippen und Engelschöre. Brigitte Thoma stellt auch noch aus. Sie war bei der Pressebesichtigung verhindert.
Dieser Artikel erschien am 09.11.2012 im Starnberger Merkur
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