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Die Abgründe im Orchestergraben: Premiere von “Der Kontrabass” diesen Donnerstag

„Ich glaube eigentlich nicht an Monologe“, sagt der Schauspieler Stefan Wilkening, „jeder Monolog ist im Grunde ein Dialog.“ Am kommenden Donnerstag, den 31. Januar, feiert um 20 Uhr die erste Eigenproduktion des Gautinger Theaterforums in der Schlossberghalle Starnberg Premiere: der Regisseur Johannes Schmid inszeniert „Der Kontrabass“ von Patrick Süskind, die Rolle des Kontrabassisten spielt Stefan Wilkening.

Schon lange trieb Hans-Georg Krause, Programm-Macher beim Theaterforum, der Gedanke um, einmal selber eine Theateraufführung zu produzieren. Mehr als einmal hatte er mit Stefan Wilkening – der im bosco wiederholt gastiert hat – darüber nachgedacht, und schon sehr früh standen zwei Konstanten fest: es sollte ein Ein-Personen-Stück sein, da dies für den Anfang am ehesten zu bewältigen war, und die Regie sollte Johannes Schmid führen. Mit ihm hatte Wilkening schon mehrfach zusammengearbeitet, zuletzt hatte er unter dessen Regie am Münchner Residenztheater „Don Quijote“ gespielt. Schmid sagte zu, und die Suche nach einem geeigneten Stück konnte beginnen.

„Von allen Stücken, die wir gelesen haben, war keines, das dramaturgisch eine solche Kraft besaß wie Süßkinds Kontrabass“, erklärt Wilkening. So fiel die Entscheidung für das inzwischen gut 30 Jahre alte Werk, das seit seiner Uraufführung von dem Schauspieler Nikolaus Parylla am Münchner Volkstheater gespielt wird – eine Aufführung, die übrigens weder Wilkening noch Schmid bisher gesehen haben, was der eigenen Interpretation nur gut tun wird. „Das Problem dieses Musikers, der da über seinen Kontrabass redet, ihn erst lobt, dann lamentiert, ist nicht auf sein Instrument allein bezogen“, erläutert Schmid seine Sichtweise des Stückes, „es ist ein Stück über das Dilemma aller Künstler, die von der Angst vor dem Scheitern getrieben werden und immer schwanken zwischen Größenwahn und Minderwertigkeitskomplex.“ Vor allem aber gehe es um Vereinsamung, und genau dieser Aspekt ist in den dreißig Jahren, die „Der Kontrabass“ existiert, immer brisanter geworden. Der Musiker aus dem Theaterstück sitzt einsam zwischen seiner Schallplattensammlung im schallisolierten Zimmer, während heute Menschen ebenso isoliert vor ihren Bildschirmen sitzen oder im Internet chatten, einsam unter ihren zweihundert Facebook-Freunden.

Vier Wochen lang haben Johannes Schmid und Stefan Wilkening geprobt, eine intensive, sehr kompakte Probenzeit. Die Bühnenbildnerin Isabella Kittnar hat einen schwarzen, abgeschlossenen, zum Publikum hin offenen und die „vierte Wand“ andeutenden Raum gebaut aus Schaumstoffelementen, wie man sie zur Schallisolierung von Tonstudios verwendet. Jetzt, in den letzten Probentagen, steht dieses Bühnenbild dem Schauspieler und seinem Regisseur bereits zur Verfügung. Geprobt wird im Gautinger bosco, am Wochenende zieht das Team dann um in die Schlossberghalle, wo auf die technische Einrichtung der Aufführung dann die Durchläufe und Schlussproben folgen.

Die Arbeit an „Der Kontrabass“ habe an und in ihm gewirkt, sagt Wilkening. „Es ist eine Charakterstudie, bei der man in Abgründe hineingehen muss.“ Und noch etwas hat Süskinds Stück in ihm bewirkt: er betrachtet, wenn er jetzt – wie schon oft im Laufe seines Schauspieler-Daseins – mit Orchestern zusammenarbeitet, die Kontrabassisten ganz anders. „Plötzlich stellt man fest: da hat einer einen fünfsaitigen Bass.“ Auch in Orchestergräben tun sich Abgründe auf: wer weiß schon, wie es dem Mann an der Pauke geht.

Die Vorstellungen „Der Kontrabass“ mit Stefan Wilkening in der Regie von Johannes Schmid finden am Donnerstag, den 31. Januar und Freitag, den 1. Februar in der Starnberger Schlossberghalle statt, jeweils um 20 Uhr. Am Donnerstag gibt es um 19 Uhr 15 eine Einführung. Karten über Theaterforum Gauting unter Telefon: 089-45 23 85 80.

Über den Autor

Sabine Zaplin

Sabine Zaplin (sza)

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