Filmkritik: Beasts of the Southern Wild

„Beasts Of The Southern Wild“ von Benh Zeitlin (USA 2011) könnte man als „seelenverwandten“ Film zu „City Of God“ des Brasilianers Fernando Meirelles (2002) betrachten – doch zwischen dem  apokalyptischen Szenario eines von Kindern geführten Drogenkrieges in Rio de Janeiro und dem Existenzkampf  im Sumpf des Mississippi-Deltas besteht ein Unterschied namens Quvenzhané Wallis: Die Kleine liefert in der „Rolle“ der kaum achtjährigen Hushpuppy eine unglaubliche Vorstellung dessen, was Überlebenswille wirklich bedeutet.

Die „Beasts“ aus dem wilden Süden leben tatsächlich kaum anders als Tiere, die irgendwie über Wasser zu bleiben versuchen. Eine nicht näher beschriebene Flutkatastrophe hat das Delta heimgesucht, und die offenbar mutterlose kleine Hushpuppy muss sich mit ihrem schwer kranken Vater ganz alleine durchschlagen. Das „Haus“ ein notdürftig zusammengehaltener Haufen Blech; die Nahrung besteht aus ganzteilig gegrillten Hühnern, die vertilgt werden, als wären nicht Menschen, sondern hungrige Alligatoren am Werk. Hoffnung gibt es nicht, irgendeine Form von Geborgenheit schon gar nicht – die Zivilisation scheint völlig abwesend zu sein.

Irgendwann weitet sich dann doch noch der Blick aus dieser Trostlosigkeit, hält Ausschau nach Rettung. Gibt es doch ein Entrinnen? Hushpuppy treibt nach einem Hurrikan mit ihrem stets alkoholisierten Vater auf dem Fluss ziellos dahin, trifft auf andere Menschen, die ebenfalls nur noch Treibgut sind. Medizin für den Vater, Erlösung gar aus diesen heillosen Umständen, all das liegt fern, jenseits eines Dammes, jenseits der Vorstellbarkeit. Das einzige, was der todgeweihte Vater seiner kleinen Tochter noch mit auf den Weg geben kann, ist ein zähnefletschendes Überlebensspiel: „I’m the boss!“ lernt die kleine Hushpuppy – sie klopft sich auf die Brust und hat dabei längst alles Kindliche aus ihren Augen verloren. Sie ist eines der „Beasts“, die unbedingt überleben wollen und es am Ende auch schaffen werden. Auf ihrem Weg wird sie eine Frau treffen, die vielleicht ihre Mutter ist. Und sie wird sogar mit der sogenannten „Zivilisation“ in Berührung kommen – doch ein „Beast“ lässt sich niemals einfangen und schon gar nicht zähmen. Ein grandioser Film – allen „Jammerern auf hohem Niveau“ dringend empfohlen.

„Beasts Of The Southern Wild“ läuft (außer am 3.1.) bis 7.Januar täglich im Breitwand Seefeld.

Der Trailer zum Film auf YouTube

Über den Autor

Thomas Lochte

Thomas Lochte (tlo)

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