Ein „Double Feature“ zu Allerheiligen – Monis Brettl im Alten Wirt hatte diesmal ein Gipfeltreffen der besonderen Art zu bieten: Josef Pretterer und Manfred Zick alias „Zither Manä“ sozusagen Seite an Saite.
Der „Hausmeister des Universums“ (Pretterer) und der verdienstvolle Gegen-den-Strich Zupfer (Zick) mussten sich ja irgendwann mal finden – der fast logische Titel ihres gemeinsamen Programms: „Die Gedanken sind frei“. Und zum Gaudium des Publikums funktionierte die lose Klammer dieser Überschrift auch dann recht gut, wenn die beiden auf der Bühne nicht zusammen agierten, sondern im steten Wechsel. Josef Pretterer hat dabei den Typus des philosophierenden Schöpfungsassistenten im grauen Kittel weiter verfeinert: Mit Riesen-Schöpflöffel und haarsträubend-sächsischem Idiom kreiert er aus der „Ur-Subbe“ den „Blaneedn Bludoo“ oder auch bloß „Gaulgwabbn“ (Kaulquappen) und berichtet dem staunenden Volk, wie es nach dem Baukasten-Prinzip zum etwas nachbesserungsbedürftigen Entwurf des Menschen kommen konnte.
Der anspruchsvolle Inhalt und dessen komische Präsentation sind bei Pretterers Solo-Programmen schon immer glückliche Allianzen eingegangen – mit dem „Zither Manä“ als musikalischem Kontrapunkt kam diesmal eine wohltuende Auflockerung der Text-Dichte ins Spiel: Kollege Zick hat zwar gleichfalls schon immer Kritisches anzumerken, seine Themen sind aber bevorzugt die tagespolitischen Unsäglichkeiten Bayerns als die des Universums. So ergab sich ein munteres Ping und Pong zwischen den beiden Protagonisten, ohne dass sie sich ins Gehege kamen oder einander gar die Wirkung nahmen: Man durfte also alternierend Pretterers „Schöpfungsakten“ beiwohnen oder dem „Manä“ dabei lauschen, wie er „Shine On You Crazy Diamond“ von Pink Floyd inklusive der drei „berühmtesten Töne der Rock- und Blues-Geschichte“ zelebrierte – ein schönes Wechselbad der freien Gedanken und Noten.
Man könnte jetzt spekulieren, warum diese beiden Meister es gemeinsam probieren: Pretterer hat jedenfalls einige Umbau- und Atempausen gewonnen, denn seine Großpuppen wie „Gott“ und „Gottes Sohn“ muss man erst mal stemmen und ihnen dann noch mit abwechselnden Stimmen Leben einhauchen können, ohne aus der Puste zu geraten. Dem „Zither Manä“ wiederum tut es ganz gut, wenn seine Instrumentalkunst ein Gegengewicht bekommt, wenn der „Landler“ und das Hinterkünftig-Bodenständige es mit Pretterers „Milchstraße“ zu tun kriegen. Und weil dem Manä halt schon immer „alles Schwarze fern“ lag, ist diesmal auch das Bühnenbild passend geteilt – in „Bauernbühne“ und dunkles Existentialisten-Tuch, die Hintergrundfläche für Josefs „Wunder aus dem Koffer“.
Das Publikum reagierte enthusiastisch auf dieses Altmeister-Duo. Nicht auszudenken, wenn die beiden in ihr jeweiliges Repertoire noch öfters die Schöpfkelle eintauchen sollten: Die Geschichte der Welt und vor allem die des „Planeten Bayern“, sie müsste wohl neu geschrieben werden.
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Hallo Thomas,
vielen Dank für die super Besprechung.
Wir finden uns sehr gut getroffen und freuen uns sehr über diese Kritik.
Herzlich
Manä