Josef Brustmann und das Kunstwerk des Monats

Eigentlich kann er nur ein Lied, der Josef Brustmann. Das Lied seines Lebens, das er mit Bravour und mit einer Inbrunst singt, die ihresgleichen sucht.

Den Ickinger aber jetzt auf dieses eine Lied festzulegen, hieße, nur sehr oberflächlich hingesehen und -gehört zu haben. Im Rahmen der Reihe  ‘Kunstwerk des Monats’  im Berger Katharina-von-Bora Haus, präsentiert von Gastgeber Pfarrer Johannes Habdank, kuratiert von Katja Sebald und gefördert vom Kulturverein Berg sowie der Gemeinde Berg, präsentierte das Multitalent Josef Brustmann mit blendender Laune den Anwesenden einen geballten Crash-Kurs zum Verstehen und Erleben seines Kosmos.

Aber kurz von vorne: Die kleine Reihe ‘Kunstwerk des Monats’ gibt es nun tatsächlich seit über anderthalb Jahren und an jedem zweiten Mittwoch im Monat versammeln sich mehr und mehr Gäste im evangelischen Gemeindezentrum. Wie alle anderen Künstler zuvor auch wurde Josef Brustmann von Pfarrer Johannes Habdank begrüßt und von Katja Sebald in einer kunsthistorisch fundierten, aber auch sehr persönlichen Rede vorgestellt.

Josef Brustmann, einst Gründer und Mitglied des Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinns und der Monaco Bagage ist nun seit geraumer Zeit auf Solopfaden unterwegs als Musiker, Kabarettist, als Gedichteschreiber, Objektesammler und vor allem als Mensch.

Als Kunstwerk des Monats präsentierte Josef Brustmann einen „Josefs-Altar“, eine seiner  Miniatur-Installationen aus Fundstücken. „Ich glaube, ich habe bestimmt 1.000 Teile gesammelt, darunter auch 40 Bronzeglocken“, gestand er. Seine  Fundstücke, von Flohmärkten, Schrottplätzen, aus Kellern, Speichern, arrangiert er sie als „Objets trouvés“  in einen neuen Kontext. Josef Brustmanns „Altar“ ist für manche sicher der Nagel auf dem Kopf, für manche vielleicht sogar die Faust aufs Auge, aber in jedem Fall und vor allem an diesem Abend die perfekte Diskussionsgrundlage und genau darum geht es schliesslich beim Motto der Veranstaltung „Manchmal in den Meinungen auseinander gehen“.

Josef wäre allerdings nicht Josef, wenn er es dabei belassen hätte, einfach nur sein Kunstwerk in den Raum zu stellen. Josef ist ein Mann, ein Lied, ein Wort, ein Baum, auf festem Stamm mit tausend Blättern. Und diese hatte er dann auch sofort zur Hand, um daraus seine Gedichte zu zitieren. Mal hinter der Gitarre, mal an der Zither oder einfach nur als bloßes Wort vom Blatt. Temporeich aber mit Bedacht sinniert er in kurzen, gerne Haken schlagenden Zeilen über das Leben, den Sinn, das Davor und Danach, über die Liebe oder die nach Hund schmeckende Traube. In Josef Brustmanns Werken spiegelt sich seine Seele. Tiefgründig, doppeldeutig, bayerisch hintersinnig, geradeaus mit Kurven und unzähligen Abzweigungen.  Für den einen absurd, für den anderen ein Fest der Sinne.

Über den Autor

Jörn Kachelriess

Jörn Kachelriess (jk)

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