Kulturpreis des Landkreises geht an Gerhard Schober

„Kunst und Kultur stiften Lebensfreude und Lebenssinn, sind die Werte, die eine Gesellschaft zusammenhalten und lebenswert machen. Die kulturelle Bildung ist mehr denn je der Schlüssel“.

Beachtliche Worte waren das, die Landrat Karl Roth beim großen Festakt der Kulturpreisverleihung des Landkreises Starnberg gefunden hatte. Der große Sitzungssaal im Landratsamt war gesteckt voll mit honorigen Ehrengästen aus Politik, Gesellschaft und mit all den Freunden und Weggefährten der – zusammengerechnet  – 74 Preisträger, die natürlich nicht einzeln ausgezeichnet wurden. Aber, so Roth, in seiner Begrüßung „oft stecken eben mehrere Menschen hinter einer Sache“. Ausgezeichnet wurden dieses Jahr Persönlichkeiten und Instititionen, die sich in besonderer Weise für Denkmal-, Heimat- und Archivpflege, Archäologie, Brauchtum und Geschichtsforschung verdient gemacht haben, „historische Wächter, die etwas schaffen, was weder der Staat noch der Landkreis leisten kann“, wie Roth in seiner Begrüßungsrede betonte. „Die kulturelle Vielfalt unseres Landkreises ist auch das Ergebnis dieser Kulturschaffenden“. Die Gesellschaft für Archäologie und Ortsgeschichte in Gilching erhielt den neu geschaffenen Anerkennungspreis in Höhe von 2.000 € für ihr vorbildliches Engagement, neben fundierter Forschungsarbeit das Interesse an der heimatlichen Geschichte mit zahlreichen Projekten zu wecken. Sie installierte drei archäologische Rundwege unter dem Titel „Via Zeitreise“, die sogar mit Audioguide ausgestattet sind und macht bei Kindern und Jugendlichen auf Frühzeitliche Geschichte neugierig. Die Starnberger Fischerbuam und Fischermadln wurden als Nachwuchs mit dem Kulturförderpreis in Höhe von insgesamt 3.000 € dafür ausgezeichnet, dass sie bayrische Volkskultur vorbildlich am Leben erhalten. Kreisheimatpfleger Gerhard Schober erhielt den mit 4.000 € dotiertem Kulturpreis des Landkreises für sein Lebenswerk.

Das Schönste war der Festakt selbst – bodenständig, geerdet, authentisch, locker. Die gut gelaunte Kulturreferentin Barbara Beck übernahm wie immer bayrisch charmant die Moderation. Dass die Starnberger Fischerbuam und Fischermadln als Volksmusiker auch gleich die Gestaltung des musikalischen Parts selbst in die Hand nahmen, verstand sich für den Nachwuchs als Dankeschön von selbst. Annette Reindel von der Gilchinger Gesellschaft für Archäologie wies in ihrer Dankesrede auf die Wissbegierde der Vereinsmitglieder hin, die zum großen Teil Zugezogene seien und den Grundstein für Heimatverbundenheit legen wollten. Gerhard Schober bedankte sich beim Landrat, der ihm attestiert hatte, dass der Landkreis „die Züge seines Wirkens trägt“ auf seine Weise – als Mahner. „Als ich als Kreisheimatpfleger 1979 antrat, glaubte ich eine Menge bewegen zu können. Es waren wahrlich nicht nur Erfolgserlebnisse, sondern auch viele Enttäuschungen“. Dennoch sei seine Arbeit  ertragreich gewesen. Mit Bezug auf sein Villenbuch sagte er: „Es (Anm. gemeint war die hohe Qualität der Architektur am Starnberger See) war selbst der Fachwelt nicht bewusst. Dass ich das aufdecken konnte erfüllt mich mit Dankbarkeit“.

Aus den Laudationes:

Dr. Sabine Mayer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege lobte die Gilchinger Gesellschaft für Archäologie und Ortsgeschichte für ihren Riesenerfolg bei der Vermittlung der Ortsgeschichte mit Radtouren, Führungen, Vorträgen, Veröffentlichungen. Mit ihren launigen Darbietungen erreiche der Verein auch junge Leute. Die “Via Zeitreise” werde ständig mit neuem Leben gefüllt, der Audioguide sei ein Highlight. “Die Archäologie ist vor der eigenen Haustüre genauso spannend wie bei den Pyramiden”, führte sie aus und der Quell eigener Geschichte sei „die Grundlage, sich verantwortlich zu fühlen. Das funktioniert in Gilching, wo man mehrere 100 Menschen mobilisiert hat, die die Archäologie annehmen“. Gilching ist ein „Idealzustand“.

„Man lobt niemanden dem man den A…. hinhält“  Die Laudatio für die Fischerbuam und Fischermadln, die auf der Bühne hinter dem Rücken der Redner saßen, weil sie den Festakt musikalisch gestalteten, war als Zweigespräch konzipiert.  Neben dem Leiter der Abteilung Volksmusik beim Bayerischen Rundfunk, Stefan Frühbeis, der mit den Musikern vergangenen Sommer im Landratsamt eine Queri-CD aufgenommen hat, stand Willy Großer auf der Bühne, der die Preisträger noch als Kinder gekannt hat. Die beiden Urgesteine bayrischer Brauchtumspflege spielten sich herrliche Bälle zu, um die lange Geschichte der Starnberger Volksmusik zu erzählen, die 1933 mit dem Pauli Kiem und Hans Zellner ihren Anfang nahm und nach dem Krieg erst langsam dank der Familie Schulz auf die Beine gestellt wurde. Die Fischermadln wurden von Barbara Pfaffinger gegründet, als sie noch kleine Kinder waren. In ihrer Jugend gesellten sich rasch bei einem Skiausflug die Fischerbuam hinzu. Heute treten beide Gruppen zusammen und „in vielfältigen Kombinationen der Familie Schulz“ (Frühbeis)  auf. Motto: „Ein Abend ohne Jodler ist möglich, aber sinnlos“.

Große Achtung und Anerkennung zollte Martin Wölzmüller, der Geschäftsführer des Vereins Bayerische Heimatpflege dem Kreisheimatpfleger Gerhard Schober: „Ich fühl mich wie der Lehrbub, der die Qualitäten des Meisters loben soll. Heimatpflege kann man nicht am Schreibtisch lernen“.  In den knapp vierzig Jahren habe er ein „beispielhaftes Werk“ mit unverzichtbaren Nachschlagewerken und einem Standardwerk zur Architekturgeschichte am Starnberger See geschaffen. Weniger bekannt seien aber seine Stellungnahmen zu Bauleitplanungen und Landesentwicklungsplänen. Schober gebe der Abwägung von Bauvorhaben Gewicht. Dabei reiche die Bandbreite seiner Kommentare von verbindlicher Freundlichkeit bis zum heiligen Zorn. Sein dosiert eingesetztes Knurren und sein Stirnrunzeln habe schon manches Mal geholfen, wo nicht, sei er nicht in Resignation verfallen. „Wer über Ihre Aktivitäten spricht, ist nie auf der Höhe der Zeit“.

Dieser Beitrag ist gekürzt am 9.11.2012 im Starnberger Merkur erschienen

Über den Autor

Astrid Amelungse-Kurth

Astrid Amelungse-Kurth (aak)

freie Journalistin mit Schwerpunkt Kunst, Kultur, Historisches, Tradition und Vermischtes

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