„Auf dem Weg zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion“ heißt die aktuelle Ausstellung in der „Galerie am Rathaus“ in Tutzing. Zu sehen sind frühe Arbeiten von Ruth Kohler und Bilder aus den Nachlässen von Frans Lambrecht und Reinhard Zell: Ein ambitioniertes Thema, dem jedoch die Präsentation der knapp dreißig Exponate nicht gerecht wird.
Den Bildern der Münsinger Malerin Ruth Kohler wurde immerhin eine ganze Wand eingeräumt, wohingegen die Arbeiten der beiden verstorbenen Künstler auf Kommoden und in Fensternischen stehen oder aber hinter vermeintlich farblich passenden Lampenschirmen, Kerzenleuchtern oder Blumensträußen hängen. Bei so viel Dekoration gerät die eigentliche Kunst leider völlig ins Hintertreffen.
Die 1929 geborene Ruth Kohler, weit über die Region hinaus für ihre ungegenständlichen, farbstarken Bilder bekannt, hat für die Ausstellung fünf Arbeiten aus dem Fünfziger Jahren zur Verfügung gestellt, als sie bei Franz Nagel an der Münchner Akademie studierte und anschließend bei Fernand Léger in Paris hospitierte. Das „Mädchen mit Teddy“ wie auch die um einen Tisch gruppierten Schachspieler und ein toniges Stilleben können symptomatisch für eine Künstlergeneration stehen, die nach Krieg zunächst dort anzuknüpfen versuchte, wo die nationalsozialistische Kunstverfolgung die Entwicklung brutal abgeschnitten hatte: beim gegenständlichen Expressionismus und der „Neuen Sachlichkeit“. Offensichtlich von Léger beeinflusst sind hingegen die „Bunten Scheiben“ und die „Installation“.
An die Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts knüpft auch der 1922 geborene belgische Maler Frans Lambrecht mit seinen zeichenhaft vereinfachten Landschaften an, bleibt aber eher bei Stimmungsbildern, als sich vom Gegenständlichen tatsächlich zu entfernen. Die Galeristin konnte einige Arbeiten aus dem Nachlass des 1986 verstorbenen Künstlers erwerben.
Auch die Arbeiten von Reinhard Zell stammen aus dem Nachlass: Er wurde 1944 geboren, war wie Ruth Kohler Nagel-Schüler an der Münchner Akademie und verdiente seinen Lebensunterhalt als Kunsterzieher an einem Würzburger Gymnasium. Er ist vermutlich nach 2006 gestorben, musste aber seine künstlerische Arbeit schon früh wegen einer schweren Krankheit aufgeben. Eines der gezeigten Gemälde, die extrem großformatige Darstellung eines sich innig zugeneigten Paares, ist mit 1972 datiert. Daneben gibt es Farbflächenmalereien im Stil der Sechziger Jahre und mehrere monochrome Arbeiten mit Titeln wie „Tanszendenz in Hellviolett“ oder „Meditation in Blau“, die wohl ebenfalls in den Siebzigern entstanden sein dürften.
Die Ausstellung „Auf dem Weg zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion“ ist noch bis zum 11. April 2013 dienstags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowei samstags von 10 bis 13 Uhr zu sehen.
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