Die Bilder sprechen für sich. Mit dem Stück „Aladin und die Wunderlampe“ hat sich das Jugendtheater der Kolpingbühne zu seinem 20. Jubiläum mal wieder selbst übertroffen.
Als sich der Vorhang öffnet, schimmert auf der Bühne ein märchenhafter Bazar vor goldenen Moscheen im warmen Licht. Gewürzhändler, Töpfer, Stoffhändler bieten lauthals ihre Waren feil, gold- und silberdurchwirkte Seide glitzert, Käufer drängen durch die engen Gassen mit ihren bunten Hosen, Turbanen und Schärpen, zart bimmeln helle Glöckchen an durchsichtigen Scheiern, Sänftenträger ziehen mit dem Sultan vorbei und die Wachen stehen in ihren orientalischen Uniformen stramm. Ein geheimnissvoller Zauber von 1001 Nacht liegt über der Szenerie, als sich der Straßenjunge Aladin ein Stückchchen Brot stibitzt und auch noch in die aufmüpfige Prinzessin Djamila, die aus dem Palast ausgebüchst ist, verliebt. Doch dann gerät Aladin in die Fänge des bösen Zauberers Basharat, ein übler Geselle mit einem Papagei als Gefährte, der Flügel schlagend alles kommentiert. Aladin soll dem üblen Burschen aus einer unterirdischen Höhle – die nur betreten kann, wer reinen Herzens ist – eine Öllampe besorgen. Als er versehentlich den Flaschengeist, der in ihr eingesperrt ist, befreit, hat er zwar drei Wünsche frei, dafür aber tobt der Zauberer. Und wie! …
Das pralle Leben steckt in dem mit einer guten Portion Frechheit und Witz gewürztem Stück. Die Autorin Sabrina Gabler ist nicht von gestern, schreibt zeitgemäß und weiß, wie man Charaktere zum Leben erweckt. Außerdem liebt sie einfach Märchen, die die Phantasie zum Blühen bringen, in denen Liebe und Hass, Gut und Böse fein austariert sind und zum happy end führen. Doch der beste Text nützt nichts, wenn das Spiel und die Dynamik nicht stimmt. Was die Kolpingbühne macht, dürfte aber kaum zu übertreffen sein. Auf zwei Bühnen, mit orientalischer Musik, ausgefuchster Lichttechnik und einer überaus opulenten Bildsprache fängt sie den Zauber des Orients traumwandlerisch poesievoll ein. Dazu verleitet Barbara Schwab als Regisseurin ihre Schauspieler zu Höchstleistungen. Natürlich, unverkrampftheit, selbstverständlich spielen die jungen Darsteller und immer überzeugen sie durch ihre gelebten Gefühle, so dass herrliche Charaktere auf der Bühne stehen. Gesteigert wird alles durch große Dynamik, phantasievolle Auf- und Abgänge, jede Menge Geheimnis und einer guten Portion Humor. Jedes Bild ist ein reiner Augen- und Ohrenschmaus. Welch ein Raunen geht durchs Publikum, als sich der Vorhang über der kostbare Schatzhöhle hebt, in der der begehrte Schatz wie ein Heiligtum ruht, über und über mit Perlen, Gold und Silberketten bestückt. Das ganze Gold und Silber funkelt im magischen Licht, während nebenan im Palast Wasserbrunnen plätschern, Wandteppiche mit Pfauendarstellungen für orientalischen Prunk sorgen und sich der Sultan auf Gold verzierten Samtkissen entspannt einen Bauchtanz der Haremsdamen zum Türkenpop genießt. Dazu sorgt eine ausgefeilte Lichttechnik und jede Menge Nebelschwaden im Alchemistenstübchen des Zauberers für undurchsichtige Magie und Gruseleffekt. Es ist wahrlich eine Welt zum Wegträumen, die Barbara Schwab herbeigezaubert hat. Ein großer Wurf der Kolpingbühne mit seinen vielen, vielen Helfern hinter der Bühne.
Die Vorstellung ist noch am kommenden Wochenende 9.3./10.3. zu sehen. Beginn jeweils um 15 Uhr.
Dieser Beitrag ist am 4.3.2013 im Starnberger Merkur erschienen
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