Matthias Biskupek in der Buchhandlung “Schöner Lesen”

“Ich tu mich nicht mehr lass bevormunde”. So sieht Widerstand aus. In einer sehr komplizierten grammatikalischen Form. Oder aber man schreibt systemkritische Bücher, verkleidet sie als bibliophile Kostbarkeit mit Bleidruck und Grafiken, gibt alles in eine Handpresse und verteilt die Blätter lose gebunden unters Volk. Was bleibt, ist die Erkenntnis: “Wer in einem Land mit dem Stotternamen DDR aufwächst, wird schnell zum Patrioten”.

Uns aus dem Westen ist dies alles fremd, sehr fremd. Das zeigte die Lesung von Matthias Biskupek, zu der Johano Strasser in die Buchhandlung „Schöner Lesen“ in Berg eingeladen hatte. Vorgestellt wurde ein Schriftsteller, der bei uns nicht gerade populär ist, ein sächselnder Humorist mit trockenem Humor, ein begnadeter Lyriker, Kabarett-Texter, Feuilleton-Autor, Erzähler, einst Dramaturg und Theatermensch in Rudolstadt – liegt zwischen Leipzig und Dresden – an einem Theater, das den sonderbaren, sehr merkwürdigen Namen „Theater unter der Schnauferlburg“ trägt. Matthias Biskupek hat in seinem Leben viel gemacht und dabei einen wundersamen Wandel vom technischen Systemanalytiker zum geistigen Systemkritiker vollzogen. Sein Lebenslauf ist ausführlich auf seiner Homepage nachzulesen, im Telegrammstil liest es sich dann so: „*1950 Chemnitz, aufgewachsen in Mittweida, Abitur, Maschinenbauer, Studium in Magdeburg, Diplomingenieur, Regieassistent, Dramaturg, seit 1984 freischaffend. Drei bis vier Dutzend Bücher. Lebt in Rudolstadt und Berlin sowie dazwischen“. So wortkarg, wie er sich hier gibt, ist er nicht. Allein seine Liste an Veröffentlichungen ist über zwei Seiten lang.

War es der Weiberfasching? Der Schnee? Die Wintermüdigkeit? Nur eine Handvoll Interessierte hatte sich in der feinen Buchhandlung von Dini Huizing eingefunden. Matthias Biskupek las trotzdem, getreu dem Theatergrundsatz: „Wir spielen, wenn mehr Leute unten sitzen als oben spielen“. Er gab Auszüge aus seinem Theaterroman „Eine moralische Anstalt“ zum Besten, aus dem „Lob des Kalauers“ und aus „Rose Schwartz und die Folgen“ – allesamt Werke, hinter denen sich Kritik im Kostüm der Alltagsgeschichten geschickt mit viel Ironie hinter den Zeilen versteckt. Und seine Gedichte sind artistische Wortspielereien, in denen er sich als Sprachanarchist outete.

Über den Autor

Astrid Amelungse-Kurth

Astrid Amelungse-Kurth (aak)

freie Journalistin mit Schwerpunkt Kunst, Kultur, Historisches, Tradition und Vermischtes

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