Orte, Zeichen, Kunst und Raum: Stephanie von Hoyos und Armin Göhringer in der Remise

Von den Wänden bröckelt der Putz, die Struktur der Ziegel scheint sich auf der Leinwand zu wiederholen, morbide Farbigkeit hier wie dort. Das mächtige Gebälk korrespondiert mit dem Holz der Skulpturen, Licht und Schatten spielen mit den Kunstwerken: In der Remise von Schloss Fußberg begegnen sich in der Ausstellung „Orte und Zeichen“ Kunst und Raum, aber auch Kunst und Musik, denn während der Ausstellung von Stephanie von Hoyos und Armin Göhringer finden in der Remise auch Konzerte im Rahmen der Reihe „Kleines Sommerfestival“ statt.

Stephanie von Hoyos wurde 1945 in Schlesien geboren. Sie ist im Brotberuf Diplombibliothekarin und lebt in Schöngeising. Die rund dreißig ausgestellten Bilder aus den letzten acht Jahren zeigen eine Entwicklung von buchstäblich dick aufgetragenen abstrakten Arbeiten in Grautönen mit kräftig roten Farbflächen über eine sparsame, zeichenhaft verschlüsselte Gegenständlichkeit hin zu einer beinahe vergeistigt wirkenden Malerei in zarten Pastelltönen. Braucht die Malerin zunächst noch Strukturmaterial wie die Asche, die sie in die rote Farbe einarbeitet, oder aufgeklebte Papier- und Stoffelemente, um ihre Bildwelten aufzubauen, setzt sie später Schriftzeichen, aber auch ganz konkrete Hinweise auf die reale Welt ein: Häuser, Türme, Schiffe und Leitern werden zu Chiffren für das zu Erzählende. Zuletzt aber sind diese winzig-minimalistischen Geschichten wie eingesponnen in einen wattigen Farbkokon und tauchen aus einem sachte türkisgrünen oder milchig grauen Nebel auf.

Der Bildhauer Armin Göhringer, Jahrgang 1954, studierte an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, er lebt und arbeitet im Schwarzwald. Mit seinen Holzskulpturen, die mit der Kettensäge entstehen, testet er die Grenzen des Machbaren aus: Er höhlt mächtige Stämme aus, lässt extrem schlanke Stege zwischen blockhaften Ober- und Unterteilen stehen. Das Schwere kontrastiert mit dem Filigranen, das massige, immer geschwärzte Eichenholz wird in zarteste Gitterstrukturen zerlegt. Die meist hoch aufragenden Skulpturen haben keinen gegenständlichen Bezug, allenfalls lassen einige von ihnen Assoziationen zu. Auch scheint es nicht vordergründig um das Material Holz zu gehen, dessen Strukturen unter der schwarzen Farbe beinahe verschwinden, sondern vielmehr in erster Linie um ein Spiel mit den Gesetzen der Statik.


Die Ausstellung „Orte und Zeichen“
, die von Corina Becker und Hans Wolfgang Leeb veranstaltet wird, ist noch bis zum 5. Juni zu sehen.
Die Finissage mit Kaffee und Kuchen findet jedoch schon am Sonntag, 2. Juni 2013, um 14.00 Uhr im Anschluss an die Konzertmatinée von Aglaya Sintschenko und Ilona Cudek (Beginn 11.00 Uhr, Eintritt 20,00 €) statt.

Über den Autor

Katja Sebald

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie

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