So voll und so gut war es noch nie. Bei der elften Starnberger Jazz- und Rocknacht am 2. März zeigte sich der musikalische Nachwuchs von seiner besten Seite. Schon um 19.00 Uhr waren Foyer und beide Säle der Schlossberghalle gut gefüllt. Während im großen Saal die Bigbands der Gymnasien und Musikschulen sich die Bühne teilten, wie immer hochprofessionell die Bigband des Gymnasiums Kempfenhausen, oder experimentierfreudig die Starnberger, und mit klassischem wie schrägem Repertoire das Publikum begeisterten, sorgten diverse Rock- und Popformationen im kleinen Saal ebenfalls für großartige musikalische Momente.
Kaum zu glauben, wie viel Bläserblech da die Bühne rauf und runter wanderte, um swingend und groovend die Halle auszufüllen. Ein besonderer Höhepunkt war, als das Orchester des Gymnasiums Starnberg, unter der Leitung von Anton Bernhard inzwischen zu stattlicher Größe angewachsen, nach der Devise: „Wenn Heino solchen Sachen machen darf, dann dürfen wir das schon lange“ ganz frech „Tage wie diese“ von den Toten Hosen in orchestraler Form zum Besten gab. Den Gesangspart übernahm kurzerhand Korbinian Heinzeller, sonst als Sportlehrer an eben dieser Schule tätig.
Wo, fragt man sich, kommen all die Bands aus Starnberg her? Und wo spielen die eigentlich sonst? Nachdem Altmeister Pentti Turpeinen im kleinen Saal mit einer Rock & Blues Session den frühen Abend eröffnete, standen als nächstes die Jungrocker von „Yellow Snow“ auf der eigens aufgebauten Bühne. Klare Gitarrenriffs, gut gebrüllt und laut gerockt, schnell verwandelte sich der sonst schnöde Saal in einen Punkrockkeller und selbst die ersten Pogotänzer ließen nicht lange auf sich warten. Spielfreudig gaben die vier Jungs das Tempo vor und die perfekte Irokesenfrisur von Bassist Benjamin Keinert war der Hingucker des Abends.
Danach wurde es etwas ruhiger: “Lisboa Phantom” boten rhythmisch melancholische Popsongs mit theatralisch schönen Harmonien und einer beachtenswert souligen Stimme von Sängerin Mai Thu Bui. Ein locker gespieltes Piano, eine folkige Rhythmusgitarre, ergänzt mit Geige und wunderbarem Gesang sorgten für feinfühligen Sound.
Percussions-Ensembles im Foyer, Jazzchor im großen Saal, Umbaupause im kleinen Saal, dann standen “The Scallywags” auf der Bühne und im Nu war der Raum gesteckt voll: Die Fangemeinde der Lokalmatadoren ist beachtlich und ließ sich sofort vom Sound mitreißen. Mit geschickten Coverversionen, fettem Alternative-Rock und frecher Bühnenshow, einschließlich Sprung in die Menge, heizten die vier Musiker dem Publikum ein. Der schon gesehene Irokesen-Bassist auch hier lautstark dabei.
Noch einmal griff Pentti Turpeinen zur Gitarre, um mit seinen „Local Players“ aus ehemaligen Schülern und alten Freunden zu jammen. Diesmal wurden die Rock Sessions aber mit Profistepptanz und Hiphop-Styles von Schülern und Lehrerinnen des Tanzzentrum Starnbergs garniert, allen voran Stephanie Holzapfel und ihr großes Stepptalent Dario Len Wilmington, sowie Danceprofi Pascale Firholz und Hiphopper Aaron Amoatey.
Mit „Rapport“ startete kurz darauf auch der erste HipHop Act und ein weiterer Höhepunkt an diesem großartigen Konzertabend. Sechs junge Starnberger Schüler haben sich hier zusammengefunden und rappen ihre Befindlichkeiten und Lebenseinsichten in geradezu poetischer Form zu handgestrickter Musik: Präzises Schlagzeug, feine Piano-Lines, akzentuierte Gitarrenakkorde. Leo Frick und Carlo D’Ambrosio sind wendige Jungrapper mit sensiblen Texten und ansteckender Energie. “Ein bisschen Kunst in die Sache bringen” nennt Leo Frick seine gerappten Weisheiten und seine 60 Sekunden lange existenzielle Welterklärungswortkaskade ist ohne Frage beindruckend. Charismatisch und cool, dabei den Gefühlen Ausdruck geben, dazu gehört auch Mut. Hut ab vor dieser Leistung, auch wenn mancher Song noch etwas unentschlossen ansetzt. Mit „Sonne reicht“ haben sie in jedem Fall dem Starnberger Sommergefühl eine Stimme gegeben.
„Styrology“ um die Tutzingerin Alison Schulz hatte es danach etwas schwer, das Publikum wieder in anzulocken, dennoch, es lohnte sich. Die Sängerin in der eigenwilligen Keyboard-Schlagzeug-Formation glänzte durch tolle Bühnenpräsenz, witzige Texte und beste Mädchenfrechheiten im Stile von „Die Braut haut ins Auge“ und neuer deutscher Welle, mit der sie das nun etwas ältere Publikum durchwegs begeisterte.
Erfreut über die musikalische Qualität und Vielseitigkeit an diesem Abend wünscht man sich nur noch eines: Mehr Raum für solche Konzerte, und dass es bitte nicht die letzte Jazz- und Rocknacht war, wie vereinzelt gemunkelt wird…
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Mehr Bilder der Jazz- und Rocknacht gibt es in der Galerie der Kulturwelle5!
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