Die Aktzeichengruppe des Berger Kulturvereins hatte aus dem Ausstellungstermin am Faschingswochenende eine Tugend gemacht und zur Vernissage am Freitagabend unter dem Titel „SchabernAKT“ ein ebenso ausgelassenes wie geheimnisvolles und leise erotisches Fest inszeniert: Nicht nur die Künstler und ihre Gäste waren maskiert gekommen, auch viele der ausgestellten Akte waren passend zum Thema ausstaffiert.
Der Reiz der kleinen Ausstellung, die leider nur ein Wochenende lang zu sehen war, lag denn auch gerade in der Unterschiedlichkeit der Exponate: Ernst Grünwald selbst nützt den Zeichenkurs in erster Linie zu Bewegungsstudien für seine bildhauerische Arbeit. Seine skizzenhaften Figuren lässt er von überzeugend leichter Hand mit breitem schwarzen Pinselstrich übers Papier laufen, tanzen, springen. Bei weitem nicht allen Zeichnern gelingt diese Konzentration auf das Wesentliche: Da gibt es den vorsichtigen Bleistiftstrich, der Körperumrisse nachzeichnet, und es gibt beinahe technische Detailstudien von Brüsten und Bauchspeck, von Schenkeln und Pobacken. Es gibt Blätter, die verraten den beinahe verliebten Blick auf ein bestimmtes Modell und andere den eher lüsternen. Eine ganze Reihe von Künstlern nähert sich dem Thema mit karikaturistischem Ansatz: Nackte Männer reiten auf Elefantenrüsseln, winzige nackte Frauen krabbeln über nackte Männerkörper. Bei einer Serie von eher flächigen Bildkompositionen mit zarten Tuschekonturen und aquarellierten Flächen hingegen tritt die eigentliche Körperlichkeit geradezu in den Hintergrund. Und schließlich gibt es noch Lucie Plaschka, die Großmeisterin der Aktzeichnung mit schwarzem Filzstift: Eine ganze Wand hat sie mit ihren vielen kleinen Blättern bestückt, die humorvoll und zugleich voller Erotik sind. Nackte Teufel und nackte Verführerinnen, alte Körper, traurige, schlaffe, gebeugte, schlanke, üppige und laszive. Jede einzelne Zeichnung ist souverän, jedoch ohne Prätention.
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